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dr Wild-Maa-Epfel

    

Dass die Glaibasler etwas Besonderes sind, weiss man nun bald allenthalben. Und dass die Glaibasler Epfel ganz aussergewöhnlich, ja gar mystisch und mit geheimen Kräften in den Epfelkärnli sind - bittscheen: darüber will Euch -minu hier etwas berichten.
Es sind bsunderi Epfel, Geisteräpfel, dämonische Früchte - und schüstemang deshalb werden sie auch so vehement verteidigt -  d Epfel vom Wild Maa also.

Die Aepfel haben ihre Geschichte, ja ein ureigenes fruchtbares Odium haftet ihnen an: es sind Fruchtbarkeits-Epfel, ein Symbol der Fruchtbarkeit - und jede Jumpfer (es soll nämlich noch söttige geben) die mit ihren weissen Zähnlein hineinbeisst. . . hopp-la! Schon ist sie eine Jumpfer gewesen - so will es die Apfelsage.

  

Woher aber kommen nun diese Wild-Maa-Epfel? Wachsen sie an einem besonderen Baum? Werden sie vom Fruchtbarkeits-Gott persönlich geliefert?

Nun, über den Baum weiss man nichts. Und das ist recht so. So bleibt nämlich ein Zipfeli Geheimnisvolles hangen. Ueber die Apfel-Sorte weiss man schon allerhand: früher waren es die feinen, roten Wiehnachtsepfel. Heute gibt es diese nicht mehr.  Und so behilft man sich halt mit Jonathan.  Zwölf bis vierzehn Kilo kleiner, rotbackiger Jonathans kommen nun in geschickte Blumenbinder-Hände, werden mit feinen Drähtlein durchzogen, mit Efeu und Laub geschmückt und schliesslich an den zwei Bauch- und Kopf-Kränzen des Wild Maa angeknüpft.  Sieben Kilo Epfel trägt dr Wild Maa mit sich herum. Sieben Kilo werden ihm auch von den Glaibasler-Strizzi mit viel Geheul von den Kränzen stybyzt.

Am Nachmittag, wenn dr Wild Maa am Gryffe-Mähli seine Aufwartung macht, trägt er den zweiten Kranz - wiederum schön geschmückt mit den Wunder-Epfel. Wenn es ihm aber in den Sinn kommt, einer der vielen hübschen Glaibasler Jumpfere so ein Epfeli zu schenken - et bien, dann weiss die, wo es geschlagen hat: noch im selben Jahr wird bei ihr der Storch hereinschauen . . .

Es gibt viele Ignoranten, vor allem aber die Grossbasler (und die verstehen es halt nicht besser), die bei der Wild-Maa-Epfel-Saag den Kopf schütteln "Dasch Mumbitz!" - so lachen sie.  Und doch... es gibt genügend Glaibasler Frauen, die ihren Gnäggis liebevoll über das Haar streicheln, ja gar stolz hinzufügen s Zytigs-Anni hat uns im Gifthüttli nun folgende Epfel-Gschicht zum besten gegeben - eine Geschichte, die sich auf Ehr und Gewissen zugetragen haben soll.


Da war eine Cousine in Amerika. Nennen wir sie Meieli. Und die Cousine hätte schrecklich gerne etwas Kleines gehabt - aber der US-Storch flog immer in grossem Bogen vorbei.  Aerzte wurden konsultiert, Professoren schüttelten den Kopf - bis die Cousine einst zu Besuch nach Basel kam.  Sie kam zur rechten Zeit , zur grossen Glaibasler-Zyt: zum Vogel Gryff. Wie das Meieli aber so zwischen den Leuten stand, dem Vogel Gryff zuschaute nd dem Ueli einen Batze in die Büchse schenkte, da stand auf einmal dr Wild Maa vor ihm. Das Meieli erschrak und hielt einen Apfel in der Hand: einen prächtigen feurig roten Apfel. Es biss hinein «a jetz bikunnsch ebbis gleins», schmunzelte e Glaibaslere, «s isch bi mir s glych gsi: dr Wild Maa het mer e-n-Epfel gschänggt und lueg: dä Glai do isch grad nyn Monet druff uff d Wält ko!»

s Meieli konnte nur den Kopf schütteln. Neun Monate später aber kam in Basel eine Karte an. Es klebten zwei merikanische Briefmarken darauf - die Meieli-Familie konnte eine freudige Mitteilung machen . . .

Auf dem Bild sind bereits alle Aepfel verschwunden.,ob das Frauenspital in neun Monaten mehrBetten reinstellen wird, ist bis zur Stunde noch nicht bekannt.  Gruss  Doris Tschan).