Ein
klirrend kalter aber schöner und sonniger Wintertag und ein zugefrorener und
lockender Weiher, nicht weit weg von meinem Zuhause. Ein idyllischer ebener Waldweg, neben dem ein munteres Bächlein, das aus dem
Walchenweiher floss, führte zu diesem schönen, mitten im lichten Walde des
Lindberges gelegenen Seeleins. Das heisst, es sind deren drei. Der erste war
der grösste und der dritte der kleinste, ja fast nur noch ein Tümpel. Doch
gefroren waren um diese winterliche Jahreszeit alle drei.
Und welchen
Jungen hätte das glitzernde Eis nicht gelockt? Da musste man doch einfach
drauf, oder? Also machte ich die ersten vorsichtigen Schritte, um zu schauen, ob
das Eis auch hält. Es
hielt und so legte ich mir eine
kleine Schleifbahn an. Erst wenn das Eis graphitschwarz ist, lässt
sich so
schön Schuhschleifen darauf. Und die Bahn verlängert sich
jedesmal beim Schleifen ein Stückchen, so dass die Bahn immer
länger wurde. Bald fanden auch
einige Schulkollegen und Kolleginen Spass daran. Schlittschuhe besassen
wir
noch keine damals es war ja kurz nach Kriegsende und wir waren ja auch
noch
alles kleine Knirpse. So machten wir dann mit viel Geschrei und
Gebrülle einen
Riesenzirkus auf diesem kleinen und sonst so stillen Waldweiherchen. An
mahnenden Worten und erhobenen Zeigefingern seitens erwachsener
Spaziergänger
fehlte es natürlich auch nicht - wie könnte es auch anders
sein? Die Jungen
mussten doch immer und bei jeder passender oder unpassender Gelegenheit
gemahnt
werden, oder? Das Eis hätte ja auch durchbrechen
können und dann, wie da wieder heraus kommen? Wohl nur mit Hilfe der Feuerwehr
oder eines mutigen Polizisten oder vielleicht eines Spaziergängers der sich dem
"Ertrinkenden" selbstlos annahm wohl.
Das erfuhr ich dann
einige Tage später, als ich mein kleines, selbstgebautes Segelschiffchen
ausprobieren wollte. Erwartungsvoll schlenderte ich das das schmale Weglein, das zu den
Weihern führte entlang. Was mir immer gefiel und leicht neidisch werden lies,
war ein wunderschönes Chalet das von der Sonne braungebrannt oben auf einer
Hügelkuppe stand . Ganz alleine schaute es in die schneeglitzernde Gegend
hinaus. Ganz unten stand ein mächtiger Trauerweidenbaum mit dichten, gelblichen
Zweigen, die bis auf den jetzt winterfeuchten Boden hingen. Hat man diese
beiden markanten Objekte passiert, tritt man in den halbdunklen und kühlen Wald
ein. Der sieht sehr kahl aus, jetzt im Winter. Keine grünende Gebüsche und
Sträucher. Nur alles graudunkelgrün und somit etwas unheimlich düster.
Doch schon bald leuchtete die
weisse Fläche des Weihers aus dem dämmerigen Dunkel lockend hervor. Ich suche mir eine Stelle, wo das Eis etwas Wasser freiliess, um mein Boot
schwimmen zu lassen. Da nur eine schmale Rinne frei war, versuchte ich mit
einem Baumast das Eis einwenig zur Seite zu stossen und zu schieben. Nur langsam und träge bewegte sich die Eisplatte und gab langsam eine
etwas breitere "Fahrrinne" für mein kleines Schiffchen frei. Doch
plötzlich rutsche der Ast vom Eisrand ab und ich sauste kopfüber in den Weiher
und unter das Eis. Vor Schreck spürte ich weder das kalte Wasser, noch dass mein
Kopf unter dem Eis festgeklemmt war. Bevor ich auch nur einen klaren Gedanken
fassen konnte, spürte ich einen starken, harten Ruck und Zug an meinen Beinen
und schwupps, wurde ich wie ein gefangener Fisch an Land und auf das Trockene
gezogen. Gelächter hinter mir, anerkennende
Worte für meinen Retter. Und das Lob hatte er ganz unbestritten auch verdient. Geistensgegewärtig erkannte dieser Pfadfinder, dass ich einen
riesengrossen Blödsinn begann und konnte sich sehr wohl ausrechnen, was nun
demnächst passieren würde. Und er kalkulierte nicht schlecht. kaum war er in
meiner Nähe verschwand ich auch schon mit dem Oberkörper unter dem Eis und der
Rest im Wasser.
Ein Hoch auf den jungen, mutigen und
kurzentschlossen, jungen Mann, der damit bewiesen hat, dass man bei den
Pfadfindern etwas Richtiges und Brauchbares lernen kann. Es war wirklich sehr kalt an diesem Wintertag, denn meine Kleider
begannen alsbald zu gefrieren. Natürlich machte ich mich schleunigst auf den
Heimweg, Dann
stand ich nun schlotternd und frierend und mit starren Kleidern vor unserer
Haustür, wo mich meine Mutter natürlich mit grossen Augen erstaunt anguckte und
mir dann eine gehörige Ohrfeige verpasste für mein unvorsichtiges
tun. Aber immerhin; mein kleines, selbstgebautes Segelboot hatte ich
mitgerettet und das alleine war mir wichtig. Franz Manser

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