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Ich, der Küchentiger
(im Militär)

...........ja, so haben wir im Militär gekocht! Echte, bodenständige Schweizerarmeeküchenkost :-)

Die Erzählung spielte sich in den Jahren 1960-1980 ab.


Fehlte der Küchenchef, dann hiess es beim Antrittsverlesen; Soldat Franz Manser; in die Küche befohlen! Dann war für mich der Wiederholungskurs(WK), der mir stets so etwas wie ein Feriengefühl verlieh und Ferienersatz war, begraben. Aber da half aller Protest nichts. Befehl ist Befehl, hiess es nur immer mit stoischem Befehl und der Sdt. Franz fügte sich brav, wie es sich für einen echten pflichtbewussten Schweizersoldaten gehört :-) Mit Gemurre und Zähneknirschen zwar, aber höchst folgsam.

Es gab ja auch schöne Momente in solch einer Militärküche. Schlecht und sehr primitiv waren sie allesamt eingerichtet, denn es galt die Devise, was im ersten Weltkrieg 1914-1918 gut und recht war, ist auch heute noch gut genug. Dabei schreibe ich von den Jahren 1960 bis 1978.

Da standen dann also zwei oder drei solcher holzbefeuerten gusseisernen Waschkessel - pardon, Kochkessel, in einem alten und meist sehr kleinen dörflichen Waschhaus, das nur noch dem Militär eben als Küche diente. Einziger Wasseranschluss war meistens ein Wasserhahn mit Gummischlauch, mit dem nicht nur der Boden abgespritzt wurde, sondern auch der Salat gewaschen, das Ess- und Kochgeschirr gewaschen  und zum Kochen gebraucht wurde. Der Rauch blieb meistens in der Küche stehen, anstatt sich durch das Kamin zu verziehen und so wurden wir, das sind meistens der Küchenchef, auch Tiger genannt, und zwei Gehilfen, gut geräuchert wie Bauernschüblinge. Man konnte es noch tagelang trotz fleissigem Duschen nach dem Dienst riechen. Niemandem musste ich sagen, wo und wie ich meinen Wiederholungskurs verbracht hatte. Die Ware, also Fleisch, Gemüse usw. kam jeden Morgen vom jeweiligen Händler (der selbstverständlich immer am billigsten lieferte) angeliefert. Meist akzeptierte unser Fourier die Lieferungen anstandslos. Warum sollte er auch nicht? Meist war es ja nicht ein Fachmann wie z.B. der Koch. Und gewogen wurde in Ermangelung einer richtigen Küchenwaage nie. Also konnte das auf dem Lieferschein angegebene Gewicht nur geschätzt werden. Doch das war bei der grossen Menge kaum möglich. Auch darüber wunderte ich mich immer. Denn pro Mann und pro Tag war ein bestimmter Tagessatz einzuhalten. Kein Wunder blieb am Ende eines WK's kein Geld mehr in der Kasse übrig oder die Soldaten mussten schlimmstenfalls noch nachzahlen bei einem Sold von zwei Franken. Die Qualität war meist unter, sehr weit unter dem Niveau, das sonst im Zivil galt. Ob da noch etwas gespart wurde, bezweifle ich noch heute.


Hier einige Beispiele:

Siedfleisch: Frage beim Anblick des Fleisches: Wurde diese Kuh in Achtungsstellung erschossen? Das Fleisch will und will nicht weich werden!

Schweinefleisch: Hat der Metzger uns nur das Fett geliefert?

Gehacktes Fleisch:
Hat es da auch noch ein wenig Muskelfleisch drin oder nur Fett, Sehnen,  Haut und Knorpel?

Rindsleber: Im Zivilen eingekauft, schien mir diese nie so schwarz zu sein! Und was für vielen Abfall!

Cervelats: Bei allen andern Metzger im ganzen Land sind sie grösser!

Bratwurst: Ob da nebst Wasser auch noch Fleischbrät enthalten ist?

Gulasch: Nichts ausser Fett, Nerven und Haut!


Die Liste könnte noch beliebig weitergeführt werden. Beim Gemüse sah es nicht viel besser aus. Der Salat war meistens verlampt und verplampt und musste X Mal gewaschen werden. Dafür aber stand eine sehr gute, selbstgemachte Salatsauce zur Verfügung, um dem Salat wenigstens ein bisschen Geschmack zu verschaffen. Nach diesem Rezept mache ich noch heute meine ganz private Salatsauce à la militär suisse.

Vieles aber kam aus Konservendosen, aus dem Vorratsmagazin und den Bundesvorratslagern. Das Magazin lag im Idealfall neben der Küche, also im gleichen Bau. Doch, vor allem auf dem Land war das Magazin oft von der Küche weit entfernt und das Material musste mit einem Veloanhänger geholt werden.
 
Oder der Fourier kam mit zwei Fünfkilo-Dosen unter dem Arm in die Küche marschiert. So einmal mit zwei Dosen Apfelmus. Wir hatten Currygeschnetzeltes auf dem Menu und er meinte nun, dies könne man nun ganz einfach zwecks Liquidation in die Sauce einrühren! 10 Kilogram Apfelmus in ca 20 Liter Sauce mit Fleisch. Oh,wie süss! Unwahrscheinlich, dass das die Mannschaft gegessen hätte und ich verwehrte ihm das Ansinnen, meine gute Currysauce derart zu verderben.


Büchsenfleischkäse in Portionendosen: Das waren dann die von uns so verrächtlich genannten "gschtampfti Judae", was auf gut Deutsch Büchsenfleischkäse hiess.
 

Dasselbe galt für den Portionenbüchsenkäse. Der hiess schlicht und einfach "Panzerkäs." War aber eigentlich ganz gut und beliebt. Da die Konserven aus dem Pflichtlager stammten, musste der Bestand regelmässig erneuert werden. Heute gibt es mehr Portionen Konfitüre und das gilt auch für den Butter in 10 Gr. Mödeli. Früher gab und waren es noch 5 Kilogramm-Dosen Konfitüre und der Butter wurde von einem grossen Block in kleine Portiönli geschnitten.

Was von der Mannschaft besonders geschätzt wurde, das waren die berühmten Hörnli mit Gehacktem. Auch der "Spatz" war besonders in der kühlen Jahreszeit sehr beliebt. Und da diese Waschhäuser ja meist sehr zentral mitten im Dorf lagen, war auch die Beiz nicht weit weg. Denn gegessen wurde natürlich ganz nobel mit Porzellantellern und richtigem Besteck in einem zivilen Speisesaal, wofür der Wehrmann täglich einen Betrag für die Benützung des Saales und des Essgeschirrs sowie des Bestecks dem Wirt zu bezahlen hatte. Dabei verdiente er ja schon ganz ordentlich an den Getränken. Und wenn es gar das einzige Restaurant im Dorf war, dann machte der Wirt ganz goldige Geschäfte.

Zu meiner Militärzeit waren noch viele Bauarbeiter, Traxfahrer, Handwerker und sogar noch einige Landwirte dabei. Da wurde am Abend, ja manchmal schon zu Mittag einiges getrunken. Entsprach der "Frass", wie das Essen manchmal auch ganz respektlos tituliert wurde, nicht ihren Erwartungen, so verpflegten sie sich im Restaurant. Das kam meistens dann vor, wenn der Fourier Sparen angesagt hatte. Da gab es dann Fotzelschnitten oder andere etwas trockene Gerichte die wenig beliebt waren.

Das Schönste für die Küchenbrigade war natürlich das Lob der Mannschaft, was meist mit Gratisbier belohnt wurde. Das wurde der Küchenmannschaft dann abends im gemeinsamen Ausgang offeriert  und wurde natürlich sehr gerne angenommen. Doch, eines durften wir von der Küche nie vergessen: Tagwache war schon morgens um fünf Uhr. Da musste zuerst der Kessel eingeheizt werden, was wegen diversen Schwierigkeiten fast eine Kunst war. Wann wurden die Rohre, die Kamine zum letzten Male gerusst? Wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Holz, meistens noch nicht so trocken wie es sein sollte, brannte schlecht. Auch das Wetter schien da eine Rolle mitzuspielen. Oft wollte und wollte der verd........Ofen nicht brennen. Dabei waren wir ja meistens schon verspätet, noch etwas belämmert vom Vorabend oder das Holz musste weiss Gott von woher zuerst herangeschafft werden, weil das am Vorabend vergessen worden war. Dabei war Morgenessen für die Mannschaft um halbsieben angesagt. Das Brot musste geschnitten werden, die Butterportionen zubereitet, der Käse portioniert, die Konfitüre abgefüllt werden. Auch Milch, Kaffe, Tee oder Schokolade mussten in die entsprechenden Transporteimer umgefüllt werden. Dann kamen die vom Saaldienst, die Fassmannschaft, um das Ganze abzuholen. Und wehe, war nicht schon alles schön bereitgestellt und abholfertig, dann solltet ihr, liebe Leserinnen und  Leser, das lautstarke und gar nicht zimperliche Geschimpfe einmal anhören! Doch, meistens klappte es, zwar nur  knapp aber pünktlich.

Ja, so war es, wenn ich als Küchenchef-Ersatzmann in die Küche abkommandiert wurde. Oft tauchte dann gegen Ende des Dienstes der Küchenkorporal doch noch auf, um mit der Truppe den WK zu absolvieren, dann erhielt ER die Auszeichnung in Form einer Beförderung zum Wachtmeister und nicht ich. Dafür durfte ich dann bei der Küchenmagazinreinigung nochmals meinen Mann stellen, um mich wieder bei den ganz gewöhnlichen Soldaten zum Abtreten einzugliedern.

Zwei Korporale habe ich so zum nächsthöheren Grad, zum Wachtmeister verholfen. Einer davon brachte mich noch schier fast in die Kiste (Arrest), weil er meinte ich wäre nun wieder als gewöhnlicher Soldat einzustufen, nach dem er zum Dienst zurückgekehrt war. Der Soldat Manser können nun die Küchenreinigungsarbeiten ebenso mitmachen wie die Küchengehilfen. Das fand ich dann aber doch ziemlich ungerecht. Und da ich mich lautstark gegen dieses Unrecht beschwerte, verpfiff er mich beim Kadi. Doch der hatte ein Einsehen und versetzte mich wieder zur Mannschaft, wo ich ja eigentlich auch viel lieber war!

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geschrieben 2003 von Franz Manser, Minusio