Wir lagen am
Walfisch- und Kohlendock vertäut, weit entfernt von
Stadtzentrum und Badestrand der
Weissen von Durban in (Südafrika). Aber in der
Nähe war eine schöne, sandige Bucht. Doch die war den
Farbigen vorbehalten und
für Weisse gesperrt. Wegen den vielen Haien, die sich
in dieser weiten Bucht
tummelten, war es auch ratsam, diesen an und für sich
sehr schönen
Badestrand zu meiden. Das Strandbad der
Weissen lag quer gegenüber auf der anderen Seite der Bucht,
unerreichbar von
unserer Anlegestelle, wo unser Schiff vertäut lag.
Wollten wir zur Stadt
hinüber, mussten wir ein Spido rufen. Das sind
kleine Taxiboote die etwa
20 Personen aufnehmen konnten. Doch die Überfahrt
war eine sehr bewegte
Angelegenheit.
.
Da wurde man geschüttelt und gerüttelt
und ein gehöriger Spritzer Seewasser gehörte auch mal
dazu. Somit lag die
"Haifischbucht" näher und bequemer für
uns. Der Weg
führte der Pier entlang, vorbei an einem langezogenen
Hügel, auf dessen
Rückseite ein Kohlenbergwerk lag. Dort
arbeiteten Sträflinge,
die allmorgendlich an unserem Schiff vorüberzogen, wohl
bewacht von bewaffneten, weissen Wärtern. Stumm und
schweigsam trotteten sie in Zweierkolonne
vorüber, die abends ebenso geordnet wieder
zurückkehrte. Etwas unheimlich
anzusehen und immer verspürte ich ein wenig Mitleid mit
diesen zerlumpten, mageren
und ausgehungerten Gestalten.
.
Unser Weg zum
Strand führte also ein Stück weit diesem
Sträflingsweg entlang, um dann in die
schöne, weite Bucht einzumünden. Eine
gewaltige, weissschäumende
Brandung rollte gegen den langgezogenen Sandstrand zu. Es
war der indische Ozean
in seiner voller Grösse und Weite. Nichts als
das donnernde Grollen
und Rauschen der Brandung war hier zu hören. Und
kein Mensch war hier
weit und breit zu sehen. Nichts als freie
Natur bot sich dem Besucher, menschenleer soweit das Auge
reichte.
.
Doch diese Brandung
hatte es in sich! Zwei Meter hoch rollten die Wellen in einer
langen
Dünung an und brachen sich dann schäumend und
gischtend auf dem sandigen Untergrund. Zum Baden war
es
hier schön. Doch zum Schwimmen schon etwas mühsam und
nicht eben
ungefährlich. Und ausserdem, die
Haie... In dieser schäumenden Gischt waren sie sehr
schwer auszumachen und um
in ruhigeres Wasser zu gelangen, musste man viel zu weit
hinauswaten.
Und genau das war zu vermeiden, denn dann konnte der
Hai zubeissen. Um
zubeissen zu können, muss sich der Hai auf die Seite legen
und dazu braucht er
mindestens 80 Zentimeter Wasser unter seinem Körper. Und wir
zum Schwimmen eben
auch.
.
Aber nur alleine
schon in der Brandung zu stehen und sich das sprudelnde
und quirlende Wasser um
Beine und Bauch prickeln zu lassen, war ein
echtes Vertgnügen.
Meine Kameraden, die diesen Strand schon kannten, machten
sich ein
Vergnügen daraus, die Erstlinge möglichst weit in die
Brandung zu locken, wo sie
dann, der Gefahr noch völlig unbewussst, plötzlich
von einer Brandungswelle von
den Füssen gerissen und kopfüber in den Sand
geknallt wurden. Auch ich blieb
davon nicht verschont und knallte wie ein Pfahl kopfvoran
in den
hartgepressten,
sandigen Untergrund. Hei, wie das geknirscht und geknackt
hatte in
meinem Genick und Kopf. Lachend wurden wir dann
hinterher aufgeklärt: Wenn die Welle ankommt, einen
leichten
Hüpfer machen, damit das Wasser unter den
Füssen durchfliessen kann. So bleibt man schön und
sicher am selben Ort
stehen. Von jetzt an konnten auch Anfänger die
Brandung vollauf geniessen.
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Aber auch an der
Sonne liegen konnte man, das war wirklich eine Wohltat
und Erholung, und dabei
an den kalten Winter in Europa denken. Ich allerdings
hatte das Pech, an der Sonne einzuschlafen. Natürlich
fasste ich einen ganz
fürchterlichen Sonnenbrand, den schlimmsten in meinem Leben.Für einige
Nächte konnte ich nicht auf dem arg verbrannten
Rücken liegen. Aber auch noch
einige andere, krebsrote Gestalten tummelten sich auf
dem Schiff wehklagend
herum. Die heisse südafrikanische Sonne hatte uns
ihre Kraft spüren lassen.Auch
überraschte uns einmal die recht hohe Flut. Wir deponierten
unsere Klamotten neben
uns, schliefen ein und bemerkten nicht, wie die Flut ziemlich
schnell
anstieg.
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Haie sind uns nie
welche begegnet. Hingegen drüben, an der geschützten
Bay wurden Haie
inmitten des abgesperrten und gesicherten
Badebezirks gesichtet. Das
Strandbad war durch ein starkes Drahtgeflecht gegen die offene
See hin
abgesperrt und gegen Haie gesichert. Doch diese schlauen Tiere fanden immer
wieder ein Loch oder eine Lücke im Netz, wo sie
durchschlüpfen konnten. Dem
Sperrgürtel entlang waren auch Wachttürme
aufgestellt, wo Wächter
mit Ferngläsern nach den Haien Ausschau hielten. Wurden
Haie gesichtet, wurde
umgehend Alarm gegeben. Die Badenden verliessen
dann fluchtartig das
Wasser.
Wir wurden in
unserer Bucht nie von der weissen Polizei behelligt, obwohl
es für Weisse
verboten war, dort zu baden. Wieso hätte sie auch sollen? Wo
wir lagen, weit
entfernt vom Bereich der Weissen, das war "Niemandsland", eine
Industriezone,
wo sich ohnehin kein Weisser hinbegab, der nicht unbedingt
musste. Da
lagen normalerweise Berge von Kohlen, die auf das Verladen in die
Schiffe warteten. Nur, im Moment war keines da, denn es wurde
gestreikt. Am
Schiffsniedergang, also bevor man die Gangway hinunter geht, war
ein grosses gelbes
Plakat angebracht worden, worauf in Englisch und Afrikaans
stand, dass es Weissen bei
Strafe verboten sei, sich mit Farbigen zu unterhalten oder
sonstigen
Kontakt zu haben. Es wurden Strafe durch Stockschläge und Geldbussen
angedroht. Es herrschte nämlich in Südafrika
strikte Rassentrennung.
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Komisch also: wir
lagen mitten in dem für Weisse ausgegrenzten Gebiet -
ganz legal. Der Handel
kennt wohl keine (farbigen)Grenzen. Auch diente dieses
Pier als Anlegestelle für die Walfängerboote.
Die gefangenen Wale
wurden ausserbords angebunden und dem Geruch nach wurden
sie schon vor langer
Zeit gefangen, denn es stank ziemlich in ihrer Nähe.
Es waren kleinere
Exemplare, kaum länger als 10 -12 meterlange Tiere. Oft
sahen wir Farbige, die
sich an ihnen zu schaffen machten und Stücke von
der Aussenhaut
abschnitten. Wofür und zu was allerdings konnte ich
nicht erfahren.
.
Wir lagen
etwa sechs Wochen an dieser Pier, immer auf Ladung wartend.
Dabei
durften wir uns glücklich schätzen, denn wir
verbrachten sechs lange und
schöne Wochen in Südafrika, wärend der
Zeit in Europa kalter Winter
herrschte. Wir waren also sehr
vorsichtig - aber ein ungutes Gefühl hatte ich
doch. Derweil wurde im
abgesicherten Badestrand der Weissen eine Person von einem eingedrungenen
Hai
getötet...
* * *