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Haie in der Bucht von Durban
von Franz Manser

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Wir lagen am Walfisch- und Kohlendock vertäut, weit entfernt von Stadtzentrum und Badestrand der Weissen von Durban in (Südafrika). Aber in der Nähe war eine schöne, sandige Bucht. Doch die war den Farbigen vorbehalten und für Weisse gesperrt. Wegen den vielen Haien, die sich in dieser weiten Bucht tummelten, war es auch ratsam, diesen an und für sich sehr schönen Badestrand zu meiden. Das Strandbad der Weissen lag quer gegenüber auf der anderen Seite der Bucht, unerreichbar von unserer Anlegestelle, wo unser Schiff vertäut lag. Wollten wir zur Stadt hinüber, mussten wir ein Spido rufen. Das sind kleine Taxiboote die etwa 20 Personen aufnehmen konnten. Doch die Überfahrt war eine sehr bewegte Angelegenheit.
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Da wurde man geschüttelt und gerüttelt und ein gehöriger Spritzer Seewasser gehörte auch mal dazu. Somit lag die "Haifischbucht" näher und bequemer für uns. Der Weg führte der Pier entlang, vorbei an einem langezogenen Hügel, auf dessen Rückseite ein Kohlenbergwerk lag. Dort arbeiteten Sträflinge, die allmorgendlich an unserem Schiff vorüberzogen, wohl bewacht von bewaffneten, weissen Wärtern. Stumm und schweigsam trotteten sie in Zweierkolonne vorüber, die abends ebenso geordnet wieder zurückkehrte. Etwas unheimlich anzusehen und immer verspürte ich ein wenig Mitleid mit diesen zerlumpten, mageren und ausgehungerten Gestalten.
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Unser Weg zum Strand führte also ein Stück weit diesem Sträflingsweg entlang, um dann in die schöne, weite Bucht einzumünden. Eine gewaltige, weissschäumende Brandung rollte gegen den langgezogenen Sandstrand zu. Es war der indische Ozean in seiner voller Grösse und Weite. Nichts als das donnernde Grollen und Rauschen der Brandung war hier zu hören. Und kein Mensch war hier weit und breit zu sehen. Nichts als freie Natur bot sich dem Besucher, menschenleer soweit das Auge reichte.
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Doch diese Brandung hatte es in sich! Zwei Meter hoch rollten die Wellen in einer langen Dünung an und brachen sich dann schäumend und gischtend auf dem sandigen Untergrund. Zum Baden war es hier schön. Doch zum Schwimmen schon etwas mühsam und nicht eben ungefährlich. Und ausserdem, die Haie... In dieser schäumenden Gischt waren sie sehr schwer auszumachen und um in ruhigeres Wasser zu gelangen, musste man viel zu weit hinauswaten. Und genau das war zu vermeiden, denn dann konnte der Hai zubeissen. Um zubeissen zu können, muss sich der Hai auf die Seite legen und dazu braucht er mindestens 80 Zentimeter Wasser unter seinem Körper. Und wir zum Schwimmen eben auch.
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Aber nur alleine schon in der Brandung zu stehen und sich das sprudelnde und quirlende Wasser um Beine und Bauch prickeln zu lassen, war ein echtes Vertgnügen. Meine Kameraden, die diesen Strand schon kannten, machten sich ein Vergnügen daraus, die Erstlinge möglichst weit in die Brandung zu locken, wo sie dann, der Gefahr noch völlig unbewussst, plötzlich von einer Brandungswelle von den Füssen gerissen und kopfüber in den Sand geknallt wurden. Auch ich blieb davon nicht verschont und knallte wie ein Pfahl kopfvoran in den hartgepressten, sandigen Untergrund. Hei, wie das geknirscht und geknackt hatte in meinem Genick und Kopf. Lachend wurden wir dann hinterher aufgeklärt: Wenn die Welle ankommt, einen leichten Hüpfer machen, damit das Wasser unter den Füssen durchfliessen kann. So bleibt man schön und sicher am selben Ort stehen. Von jetzt an konnten auch Anfänger die Brandung vollauf geniessen.
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Aber auch an der Sonne liegen konnte man, das war wirklich eine Wohltat und Erholung, und dabei an den kalten Winter in Europa denken. Ich allerdings hatte das Pech, an der Sonne einzuschlafen. Natürlich fasste ich einen ganz fürchterlichen Sonnenbrand, den schlimmsten in meinem Leben.Für einige Nächte konnte ich nicht auf dem arg verbrannten Rücken liegen. Aber auch noch einige andere, krebsrote Gestalten tummelten sich auf dem Schiff wehklagend herum. Die heisse südafrikanische Sonne hatte uns ihre Kraft spüren lassen.Auch überraschte uns einmal die recht hohe Flut. Wir deponierten unsere Klamotten neben uns, schliefen ein und bemerkten nicht, wie die Flut ziemlich schnell anstieg. 
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Haie sind uns nie welche begegnet. Hingegen drüben, an der geschützten Bay wurden Haie inmitten des abgesperrten und gesicherten Badebezirks gesichtet. Das Strandbad war durch ein starkes Drahtgeflecht gegen die offene See hin abgesperrt und gegen Haie gesichert. Doch diese schlauen Tiere fanden immer wieder ein Loch oder eine Lücke im Netz, wo sie durchschlüpfen konnten. Dem Sperrgürtel entlang waren auch Wachttürme aufgestellt, wo Wächter mit Ferngläsern nach den Haien Ausschau hielten. Wurden Haie gesichtet, wurde umgehend Alarm gegeben. Die Badenden verliessen dann fluchtartig das Wasser.

Wir wurden in unserer Bucht nie von der weissen Polizei behelligt, obwohl es für Weisse verboten war, dort zu baden. Wieso hätte sie auch sollen? Wo wir lagen, weit entfernt vom Bereich der Weissen, das war "Niemandsland", eine Industriezone, wo sich ohnehin kein Weisser hinbegab,  der nicht unbedingt musste. Da lagen normalerweise Berge von Kohlen, die auf das Verladen in die Schiffe warteten. Nur, im Moment war keines da, denn es wurde gestreikt. Am Schiffsniedergang, also bevor man die Gangway hinunter geht, war ein grosses gelbes Plakat angebracht worden, worauf in Englisch und Afrikaans stand, dass es Weissen bei Strafe verboten sei, sich mit Farbigen zu unterhalten oder sonstigen Kontakt zu haben. Es wurden Strafe durch Stockschläge und Geldbussen angedroht. Es herrschte nämlich in Südafrika strikte Rassentrennung.
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Komisch also: wir lagen mitten in dem für Weisse ausgegrenzten Gebiet - ganz legal. Der Handel kennt wohl keine (farbigen)Grenzen. Auch diente dieses Pier als Anlegestelle für die Walfängerboote. Die gefangenen Wale wurden ausserbords angebunden und dem Geruch nach wurden sie schon vor langer Zeit gefangen, denn es stank ziemlich in ihrer Nähe. Es waren kleinere Exemplare, kaum länger als 10 -12 meterlange Tiere. Oft sahen wir Farbige, die sich an ihnen zu schaffen machten und Stücke von der Aussenhaut abschnitten. Wofür und zu was allerdings konnte ich nicht erfahren.
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Wir lagen etwa sechs Wochen an dieser Pier, immer auf Ladung wartend. Dabei durften wir uns glücklich schätzen, denn wir verbrachten sechs lange und schöne Wochen in Südafrika, wärend der Zeit in Europa kalter Winter herrschte. Wir waren also sehr vorsichtig - aber ein ungutes Gefühl hatte ich doch. Derweil wurde im abgesicherten Badestrand der Weissen eine Person von einem eingedrungenen  Hai getötet...

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