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Mein Gorillafreund in Abidjan


(Das Bild ist  dem Internet entnommen,
entsprechend meinen  Erinnerungen)


Abidjan  ist die Hauptstadt der Elfenbeinküste Westafrika's. Der Hafen ist gross, sehr lebendig und noch vielmehr sehr laut und das nicht nur den Tag über,  sondern rund um die Uhr. Dort legten wir mit unserem Frachter an, um den in Asien geladenen Reis in diesem Hafen zu löschen. Himmel, leben denn die Afrikaner nur von Reis? 12'000 Tonnen Reis haben wir auf unserem Schiff und der soll nun hier entladen werden. Das Entladen wurde von Hand getätigt, obwohl wir eigene Bordkräne hatten, die die Entladerei in wenigen Stunden erledigt hätten. Aber Afrika hat sehr viele Menschen und noch viel mehr Hände, die Arbeit brauchten, um zu überleben. Also wurde Sack um Sack aus dem Bauche des Schiffes von kräftigen Männern hinauf auf Deck und dann runter an die Pier getragen. Dort wurden die Reissäcke, ein jeder wog so seine 80 Kilogramm, auf schwere Lastwagen geladen und auf staubigen und holperigen Strassen oder eher Pisten, in das Landesinnere verfrachtet. Das Entladen nahm also trotz des emsigen Fleisses der sicher an die hundert Einheimischen einige Tage in Anspruch und so blieb auch jeden Tag Zeit für einen ausgiebigen Landgang.

Auf diesem Schiff war ich Chefsteward und somit für die Provianteinkäufe verantwortlich. Der Schiffshändler in Abidjan war ein munterer und aufgeweckter Österreicher, der bei mir die Warenbestellung abholte, um sie dann tags darauf auf unser Schiff zu bringen.

"Zur Erläuterung von Schiffshändler: Jedes Schiff hat in jedem Hafen einen Agent. Der wiederum ist von der Schiffsbetreiberin (Reederei) bestellt und ist die Referenzstelle zwischen Schiffführung-Hafenbehörden-Lieferung an Bord von Lebensmitteln, Treibstoff, Ersatzteilen, also alles was es so braucht auf einem Hochseeschiff. Auch bringt der Schiffshändler die Post aus der Heimat oder bringt unsere Post an Land auf das Postbüro. Er besorgt den Arzt, organisiert Fahrten vom Hafen in die Stadt und wieder zurück. Kurzum, der Schiffshändler ist eine ganz unentbehrliche Instanz für ein Schiff."

Er lud mich ein, mitzukommen, denn so sähe ich auch ein wenig von der Stadt. Diese gute Gelegenheit wollte ich natürlich gerne nutzen und so begaben wir uns zu zweit an Land. Das Stadtinnere von Abidjan ist von den Franzosen erbaut worden. Schöne, gut und solide gebaute Häuser, grosses Gebäude für die Verwaltung, denn die Elfenbeinküste war französische Kolonie, die allerdings für ihre Unabhängikeit kämpfte. Aussenherum der von den Weissen erbauten und bewohnten Stadt aber dehnen sich die Bidonville in's Uferlose aus. Einfache, primitive Hütten ohne Wasser, Kanalisation und Elektrisch. Die Einheimischen zogen es vor, hier und nicht in den festen Gebäuden der Stadt zu wohnen. Das war natürlich auch eine Geldfrage. Wie alles, so  waren auch die Mieten sehr teuer hier.

Der Schiffshändler lud mich nun zu sich nach Hause ein, nachdem wir das Geschäftliche erledigt hatten. Die Bestellung wurde später, im Laufe des Tages, auf das Schiff gebracht. Er wohnte in einer modernen und grossräumigen Wohnung die auf''s Modernste eingerichtet war, nicht zu vergessen, die wunderbare Aussicht auf das Meer und den nahen tropischen Park zu erwähnen.

Wir nahmen einen kühlen Drink, dann wollte er mir noch etwas ganz Besonderes zeigen, was man ganz in der Nähe finden konnte. Es war ein Gehege mit einem ausgewachsenen Gorilla. Nun, es war wohl das erste Mal, dass ich überhaupt einen Gorilla aus der unmittelbaren Nähe sah. Ich weiss nicht, war es ein Männchen oder eine Gorillafrau, auf jeden Fall schienen wir uns auf Anhieb sympatisch zu finden. Freundlich guckte mich der Bursche oder Mädchen mit seinen freundlichen, grossen und braunen und wie mir schien, sehr gutmütigen Augen an. Da wir ja einige Tage im Hafen liegen bleiben mussten, suchte ich meinen neuen Freund, den Österreicher täglich auf. Er und ich hatten ja Zeit und ich war nacher wieder wochenlang auf hoher See. Also benutzte ich die Gelegenheit, um etwas Gesellschaftspflege an Land zu betreiben. Aber zuvor suchte ich immer zuerst meinen Gorillafreund auf. Schon beim dritten Mal wagte ich es, durch das Tor, das nicht speziell veriegelt war, einzutreten. Der Gorilla liess sich das ohne weiteres gefallen, ja schien sogar grosse Freude an einem Besuch zu haben und wir gaben uns sozusagen die Hand, die dann aber meistens in einer kräftigen Umarmung endete. Sehr zum Schrecken einer Frau, die ich  von ausserhalb des Geheges laut schreien hörte. Sie bedeutete mir, dass ich da etwas höchst Gefährliches mache und ich solle schleunigst und auf schnellstem Weg zum Gehege herauskommen.

Nun, ich sah
da meinerseits absolut keine Gefahr. Ganz im Gegenteil. Zuvor kaufte ich einige Bananen bei einem Strassenhändler, so als Mitbringsel für meinen Freund. Natürlich nahm er das Geschenk sehr dankbar an und eine kräftige Umarmung war mir sicher.  Es ist schon ein Erlebnis, so an eine kräftige, stark bepelzte Brust gedrückt zu werden. Angst hatte ich wirklich keine. Wieso sollte mir das Tier etwas zuleide tun, wo ich ihm doch gut gesinnt war? Natürlich spürte ich seine urgewaltige Kraft, aber ich merkte auch, dass er seine Kraft wohldosierte, um mich nicht zu erdrücken. Ausserdem sagt man den Gorillas nach, dass sie sehr feinfühlige und soziale Tiere seien. Oh, wenn so ein Tier nur sprechen könnte wie wir! Die würden uns vielleicht was erzählen. Aber auch ohne Sprache verstanden wir uns bestens.  

Er oder sie schien meine Gesellschaft sehr zu geniessen. Also was soll's? Ich kraulte dem Burschen oder Mädchen noch etwas den pelzigen Rücken, was mit erfreuten und zufriedenen Grunzlauten bestätigt wurde. Also rein gar nichts Gefährliches. Wir verstanden uns scheinbar auf Anhieb, so dass ich nichts zu befürchten hatte. Tatsächlich besitzen Gorillas aber genug Kraft, um auch einem  ausgewachsenen Mann den Brustkasten einzudrücken, sollten sie sich in Gefahr wähnen.

Nur, hinterher begleitete mich ein fürchterliches Jucken. Aha, scheinbar haben einige seiner Pelzbewohner einen Domizilwechsel vorgenommen und haben sich nun bei mir angesiedelt. Aber kein Problem, mein österreichischer Freund hatte ja eine Dusche und somit war das Problem schnell gelöst und die momentane Belästigung schnell vom Leib gespült. Von nun an aber konnte ich nicht mehr am Käfig vorbeigehen, ohne vorher einen Besuch gemacht zu haben. Einmal liess ich es darauf ankommen und ging am Gehege vorbei, ganz so, als ob ich meinen pelzigen Freund vergessen hätte. Doch da erhob sich ein markerschütterndes Geschrei! Schnell kehrte ich zurück, um nicht die ganze Nachbarschaft in Schrecken und Aufregung zu versetzen.

Es war ohnehin das letzte Mal, dass wir uns sahen. Am nächsten Morgen war unser Kahn entladen und wir fuhren aus dem Hafen und stachen wieder in See zu einer neuen Reise, die wieder irgendwo in einem interessanten Land und Hafen endete. Freunde trifft man ja schliesslich auf der ganzen Welt.

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