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Fliegen, was kann
schöner sein?
Vorwort: 35 Flugstunden sind obligatorisch um das Fliegerbrevet zu erhalten. Und 45 habe ich gemacht - ohne die Theorie. Auf drei verschiedenen Flugplätzen habe ich gelernt. In Lachen/SZ, am Zürichsee,auf dem Flugplatz Speck bei Fehraltdorf ZH.
Drehung
einen spürbaren
Widerstand geben. Fahrgestell und
die Räder und ganz besonders das Bugrad. Auch die
Windschutzscheiben sollen natürlich sauber und nicht
verschmiert
sein. Im
Innern war vor allem der Das richtige Einstellen der Instrumente und deren korrektes Funktionieren Der QNH,
das ist
die Uhr, die die Höhe misst. Dieser QNH-Wert richtet sich nach
dem
Barometerdruck und ist variabel, also wird der jeweilige Wert vor dem
Start vom
Tower abgefragt und dann entsprechend auf der Borduhr eingestellt. Und
natürlich der Zündungsschlüssel.
Früher wurde noch
durch Anwerfen (Propeller von Hand drehen) der Motor in Gang gesetzt.
Eine
nicht ganz ungefährliche Sache. So mancher vorlor dadurch eine
Hand oder gar
den Arm. Der Pilot sass im Cockpit, während meistens ein
Flugzeugmechaniker den
Propeller drehte. Der Pilot musste darauf achten, dass wenn der Motor
zündete,
er sogleich auf die Bremse trat, damit sich die Maschine nicht
vorwärts bewegte
und den Mechaniker überfuhr. Auch der Mann am Propeller hatte
darauf zu achten, dass
er seitlich des Propellers stand und nie direkt davor. So konnte er
notfalls
schnell zur Seite treten. Heute wird
der Flieger wie ein Auto gestartet - mittels
eines Zündschlüssels. Der wurde komischerweise immer
nur abgezogen und dann auf
dem Panel deponiert. Dass da nie eine Maschine geklaut wurde, grenzt
direkt an
ein Wunder! Dann wär da noch die Trimmung zu
erwähnen. Die wird gebraucht, um
dem Flugzeug die beste Schwergewichtsverteilung zu geben und ist sehr
wichtig.
Mir hat ein Spassvogel einmal die Trimmung so verstellt, dass ich die
Maschine
einfach nicht in die Luft brachte. Doch merkte ich dann gleich einmal,
wo zu
suchen war. Zuletzt noch das korrekte Anlegen der Sicherheitsgurten.
Wer den
Kopf einmal so an der niedrigen Cockpitdecke angeschlagen hat wie ich,
denkt
sein ganzes Pilotenleben daran. Und immer
musste der Checkup mit der Checkupliste in
der Hand bewältigt werden. Das war eine eiserne Vorschrift.
Nichts durfte
vergessen werden, alles musste beachtet werden. Das ist obligatorisch
und muss
immer vor jedem Start gemacht werden. Punkt für Punkt. Und das
auch, wenn man
schon jahrelang geflogen ist. Ein
Beispiel: Es gibt für jeden Flugplatz eine sog.
Voltenregel. Die ist unbedigt und zwingend einzuhalten. Und da
jeder Flugplatz wieder etwas anders organisiert
ist, gibt es auch so viele Regeln wie es Flugplätze gibt. Es
gibt Flugplätze
mit links Volten - das ist die normale Volte, also immer links herum.
Dann
haben wir Rechtsvolten z.B. Lachen/SZ oder wie in Ascona, da musste
eine Acht
über dem Flugplatz geflogen
werden. Die
Volten richten sich nach den geographischen und zivilen Gegebenheiten.
Wohngebiete sollen nicht unnötig vom Fluglärm
gestört werden oder gar in ihrer
Sicherheit gefährdet und durch Lärm gestört
werden. Doch oft gibt es trotzdem
Hindernisse in unmittelbarer Nähe der Start- und Landepisten.
So stand in
Ascona ein altes Haus unmittelbar am Pistenende, dem immer ganz
besondere
Beachtung geschenkt werden musste. Oder in Agno stand ein Hochkamin in
Pistennähe. Solche Hindernisse sind nicht immer gut sichtbar
und man nimmt sie
erst in unmittelbarer Nähe war. Beim
Flugplatz Magadino stand eine Birke im Anflug auf
Piste 26 und beinahe hätte ich diese Birke umgeflogen. Und das
obwohl ich schon
eine ganze Menge Landungen auf dieser Piste ausgeführt
hatte. Dank der Aufmerksamkeit meines Instruktors steht diese
Birke noch. Wichtig
ist auch die Pistenrichtung; die ist offiziell im
Büro C, also dem Flugbüro angegeben. Dann am
Kontrollturm. Auch am Windsack,
der auf jedem Flugfeld an einer hohen Stange hängt und schon
von weitem gut zu
sehen ist, kann die Ab- und Anflugrichtung schon "erraten" werden.
Die gilt jedoch nicht immer. Manchmal kommt vom Tower eine andere
Anweisung. Und
zu guter Letzt wäre da noch das "Lande T" zu
erwähnen. Das ist eine
Holzlatte mit einer Querlatte am Ende. Liegt der Querbalken gegen
Westen dann
wird von Osten her angeflogen oder gestartet. Doch den Anweisungen des
Towers
ist immer Folge zu leisten. Das führte an einem Sonntagmorgen
dazu, dass ich
an der Piste auf Position 28 (Richtung Westen) stand und am anderen
Ende der
Piste - also auf der entgegengesetzten Seite! - stand einer
auf 06, also in
Richtung Osten. Ich befolgte die Anweisung des Towers, der andere las
die
Startrichtung wahrscheinlich im Flugoffice, am Land T oder am Windsack
ab.
Unter der Woche war der Tower mit Militärpersonal besetzt.
Samstags und Sonntags
aber waren Zivile dort oben. Ein
ander Mal bekam ich die Anweisung, auf Center 08 zu landen. Doch ich
stellte
sehr hohen Graswuchs fest an diesem Pistenende. Ich meldete dies dem
Tower,
doch die blieben dabei, Center 08 anzufliegen. Dass man nicht ins hohe
Gras
aufsetzen soll, ist eine altbekannte Tatsache und feste Regel. Doch dies
nahmen
die zivilen Kontroller nicht zur Kenntnis. Also landete ich auf eigene
Verantwortung auf der
Centerpiste 26.
Darauf wurde ich sofort angewiesen, unverzüglich den Tower vom
Flugbüro C aus
anzurufen. Ich fing einen gehörigen
Rüffel ein. Am Montag meldete ich diesen Vorfall dem
Militärpersonal und bekam recht. Auf einem Flugplatz - und ist
er
noch so klein - muss exakte Arbeit
geleistet werden, sonst passieren Unfälle. Aber wenn
das Militär den Tower besetzt hielt, dann lief
immer alles wie am Schnürchen. Im nachhinein ein grosses
Kompliment und vielen
Dank!
Ein
anderer war leidenschaftlicher Segelflieger. Einmal
lud er mich zu einem Segelflug ein. Diese Einladung nahm ich
natürlich sehr
gerne an. Wir liessen uns von einem Motorschleppflugzeug hochziehen.
Als die
richtige Höhe erreicht war, klinkten wir uns aus und schwebten
nun selbständig
und vom Zugdrahtseil befreit wie ein Vogel in die Freiheit. Das Valle
Maggia
hinauf und immer schön dem rechten Berghang entlang. Dann
drehte er in das Valle
Bavona ein von wo wir dann bis nach Bosco Gurin gelangten.Es war
wunderschön. So
ganz anders als mit dem Motorflugzeug. Still und sanft schwebten wir
dahin. Nur
das Sausen des Windes in den Flügeln war zu hören.
Sanken wir zu stark oder zu
schnell ab, dann ertönte ein Warnton
unüberhörbar und schrill und warnte den
Pilot, bevor er sein Flugzeug in einen Felsen flog. Der richtige Wind
und gute
Thermik ist alles beim Segelflug. Stimmt beides, dann kann man
stundenlang in den
Lüften schweben. Das Landen allerdings ist ziemlich geräuschvoll und
rauh. Da ein Segelflugzeug
keine Räder hat, landet es auf einer Kufe und rutscht dann so
quasi auf dem
Bauch bis es stillsteht und sich an einem der beiden vorderen
Flügel aufstützt.
Zum Start braucht es allerdings Helfer, die das Flugzeug beidseitig
halten,
damit die Flügel nicht über den Boden schleifen. Hat
das Zugflugzeug die richtige
Geschwindigkeit erreicht, dann können auch die Helfer
loslassen. Die Maschine
hält sich jetzt selbständig in der Waagrechten. Da wirken
verschienden Faktoren mit, wie
Abfluggewicht, Anzahl Passagiere, Treibstoffmenge, die
mitgeflogen
wird, eventueller leichter Gegenwind, Natur oder Beton- bezw.
Asphaltpiste.
Steht am Ende der Startpiste vielleicht schon ein höheres
Hindernis? Ein
Strauch, ein Baum, ein Gebäude? Bei der
Landung gilt es wiederum zu beachten, stehe ich
schön gerade in der Anflugachse? Kein Hindernis voraus?
Niemand und kein
anderes Flugzeug auf der Landepiste? Habe ich Gegenwind und wieviel?
Habe ich
die richtige Anflughöhe und den richtigen Sinkwinkel?
Schlussendlich und
allem voran: Habe ich die Landeerlaubnis vom Kontrollturm? Leuchtet mir
ein
rotes Licht entgegen aus einer Morselampe, dann heisst das "Landen
nicht
erlaubt." Ausserdem befindet sich auf dem Kontrollturm am Mast ein
Licht.
Bei grün ist der
Flugplatz offen und in
Betrieb. Leuchtet es hingegen rot dort oben auf dem Kontrollturm, dann
heisst
das nichts anderes, als dass dieser Flugplatz
für Landungen geschlossen ist. Deswegen
muss immer ein
Ausweichflugplatz miteingeplant werden sowie Reservetreibstoff
für einen
event. Umweg oder auch Rückkehr zum Ausgangsort. Es galt die
Regel: Es muss
genügend Treibstoff auch für den Rückflug
vorhanden sein an Bord. Dem
Benzinstand oder Tankinhalt ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Keine
grösser Blamage für
einen Piloten, der
eine "Aussenlandung" durchführen musste wegen leerem
Benzintank. Das Landen
ist eine sehr heikle Sache und muss
immer
wieder trainiert werden. Eigentlich
ist die Landung das Wichtigste beim Fliegen. Bevor jemand die Landung
nicht
vollständig und absolut sicher und sauber ausführen
kann, wird er nicht alleine fliegen können. Und eine
saubere
Landung "hinlegen" das ist nicht
nur eine Übungssache, das ist eine Präzisionsarbeit.
An was
alles
da gedacht werden muss: Habe ich die richtige Geschwindigkeit, die
richtige Flughöhe, den richtigen Anflugwinkel, habe ich die
Flaps
vorschriftsgemäss 10 Grad ausgefahren, dreht der Motor auf mit
der
richtigen
Tourenzahl, habe ich die Vergaservorwärmung gezogen, ist die
Landeerlaubnis erteilt worden vom Tower, befinde ich mich auf der
richtigen
Pistenrichtung? Das ist auch wichtig wegen der Windrichtung. Mit
Rückenwind
soll keinesfalls gelandet werden. Immer gegen den Wind, Dafür
gibt
es den
Windsack und das Landekreuz am Boden. Und ausschlaggebend sind immer
die
Anweisungen des Towers. Auch die Funkverbindung Pilot-Tower-Pilot
muss
stehen, um dauernd miteinander im Kontakt zu bleiben. Nichts ist
schlimmer, als den Kontakt zum Kontrollturm zu verlieren. Sind
alle Checks gemacht, wird das dem Tower gemeldet und
um Startfreigabe gebeten. Kommt das Ok, dann lässt man das
zuvor
am Pistenende
im rechten Winkel zur Startbahn aufgestellte Flugzeug auf die weissen
Querbalken auf der Runway rollen und stellt sich genau zur Pistenachse
auf.
Kommt die Aufforderung des Towers, immer mit den Anfangszeichen des
Immatrikulations-Namens wie zum Beispiel RBT, was dann so tönt:
-Romeo-Berta-Tango-runup- dann gibt man Vollgas,
lässt die
Bremsen los. Hat die
Maschine genug Fahrt aufgenommen, beginnt man mit gefühlvollem,
leichten Ziehen
am Steuer das Flugzeug vom Boden zu nehmen. Nicht zu viel und nicht zu
wenig
ziehen.Man muss das einfach im "Gefühl" haben. Hebt
dieMaschine
ab,
dann leicht weiter am Knüppel oder Horn ziehen und
Geschwindigkeit
und Höhe
gewinnen. Dann das sachte Einfahren der Flap's von 10 auf null und
immer den
Steigewinkel und die Geschwindigkeit im Auge behalten. Ein erhabenes,
wohliges
Gefühl kommt dann auf, wenn man so schwerelos und immer
höher
und höher steigt. Ein
glückseliges Befinden bemächtigt sich dann dem Pilot.
So frei
und schwerelos kommt man
sich vor, einfach glücklich und erleichtert. Nun aber geht die
Arbeit weiter.
Dem Tower wird Standort, Höhe, Flugrichtung und schliesslich
das
Verlassen der
Flugplatzzone gemeldet. Dann endlich ist man frei. Die Verbindung zum
Tower
kann nun verlassen
und das
Mikrofon in die
Halterung gehängt
werden. Aber bis
es so weit ist............... Eigentlich
eine zermürbende Angelegenheit, das Fliegenlernen! Mit dem Fluginstruktor zur rechten Seite hat man seine
Anweisungen zu
befolgen. Das er den Funk, also die Verbindung zum Kontrollturm
hält, ist ja wohl
klar. Der Flugschüler hat vorerst mit sich, dem Flugzeug, den
Instrumenten und
allem drum und dran mehr als genug zu tun und ist vollauf
ausgelastet. Der
Radiofunk ist schon eine besondere Sache, vorallem ungewohnt, schwer
verständlich und somit werden am Anfang auch die meisten
Anweisungen vom Turm
schlecht oder gar nicht verstanden. Da kommt man also schon
gar nicht ohne den
Fluglehrer aus und ist voll auf
ihn angewiesen. Eigentlich
leistet er ja Schwerarbeit. Jede Bewegung,
jeder Griff seines Flugschülers muss er unter Kontrolle
halten. Ja, sogar seine
Gedanken und Reaktionen muss er voraus "erraten" können, um
frühzeitig
eingreifen zu können. Für's Fehlermachen ist
nämlich kein grosser
Spielraum vorhanden.
Das beginnt schon
beim Betätigen des Anlassers; steht er, der Fluglehrling mit
beiden
Füssen richtig auf
der Bremse?
Sitzt er nicht allzu verkrampft am Steuerhorn? Schon das einfache
Rollen auf
dem Taxiway ist ein schwerer Akt. Ein Flugzeug wird mit den Bremsen
gesteuert.
Das verleitet den Anfänger immer dazu, zu versuchen, mit dem
Steuerhorn zu
lenken. Das ist natürlich völlig ausssichtslos, denn
das Steuerhorn betätigt
nur die Höhensteuerung und ist am Boden völlig
wirkungslos. Mit den Bremspedalen zu lenken ist also sehr lernbedürftig und stellt schon einige grössere Anforderungen an den Flugschüler. Bis man endlich in der Lage ist, die Maschine einigermassen geradeaus zu rollen, vergeht schon einige Zeit. Doch der Fluglehrer ist ja ein netter und hilfreicher Mann. Mit seiner Hilfe gelangt man dann doch noch bis an den Pistenanfang und es gelingt, den Flieger im rechten Winkel zur Startbahn aufzustellen. Dann die Erlaubnis, an die Startlinie zu rollen. Eine letzte Überprüfung von Instrumenten und Trimmung. Wir sind startbereit. Und schon kommt auch die Erlaubnis: you cant teak of wen your are ready. Also Gashebel ein, Vergaservorwärmung gedrückt, Mixer auf voll. Der Mixer ist ein roter Hebel, dem ganz besondere Beachtung zu schenken ist. Damit stellt man das Benzin-Luftgemisch her, das den Motor dann so schön ruhig drehen lässt. Dazu schaut der gute Pilot auch auf den Drehzahlregler, um den Motor nicht "übertourig" drehen zu lassen. Die Maschine nimmt nun rasch Fahrt auf und es bereitet vor allem den Anfängern Mühe, das Flugzeug schön gerade auf dem weissen Mittelstreifen auf der Runway zu halten.Nun lässt sich der Fluglehrer vernehmen; ziehen, leicht ziehen, nicht zu fest, so ist es gut, noch mehr jetzt fest ziehen, denn die Maschine versucht die Piste zu verlassen. Und schon sind wir ab Boden und in der Luft. Flap's reinfahren gibt er neue Anweisung. Gut, Flap's sind eingefahren, wiederhole ich seinen Befehl. Schnell nehmen wir an Höhe zu. Nun werde ich nach rechts dirigiert um nun eine Linksvolte nach Voltenregel auszuführen. Bald ist auch die vorgeschriebene Voltenhöhe erreicht und ich bekomme Befehl, die Maschine in die Horizontale auszutrimmen. Ja, wie geht denn das ? Auf der Mittelkonsole im Cockpit befindet sich noch schwach sichtbar ein rotes, rundgezahntes Rad. Das wird nun so gedreht, bis wir schön waagrecht liegen. Das erleichtert die Steuerung ungemein. So lässt sich die schwerste Maschine mit dem kleinen Finger fliegen. Jetzt fliegen wir über dem schön silberblau schimmernden See Richtung Gambarogno. Das ist das linke Seeufer des Lago Maggiore. Niedlich liegen die kleinen Dörfchen am Berghang. Hart an der Schweizergrenze liegend San Nazaro, Vira, Gambarogno, Magadino und schon in der Piano Magadinoebene liegenden Quartino. Der Flugplatz scheint noch weit weg zu sein. Und doch, in wenigen Augenblicken werden wir uns zur Landung anmelden müssen. Wir sind number One, also können wir direkt zur Landung übergehen. Aber vorerst sind da noch einige Vorbereitungen zu bewältigen. Die Motorendrehzahl wird reduziert. Vergaservorwärmung gezogen. Mixer überprüfen, und immer die volle Aufmerksamkeit dem Drehzahl und Geschwindigkeitsmesser gewidmet. Jetzt eine Linksdrehung von neunzig Grad. Wir fliegen nun in Richtung des Valle Verzasca auf die rechte Talseite hinüber. Aber nur bis kurz zur Pistenachse. Nun wird nochmals um neunzig Grad beigedreht und nach der zuvor durch den Tower angegebenen Landepiste - in unserem Fall der Centro 28 - eingeschwenkt . Das ist die mittlere Piste von dreien, die wir auf unserem Flugplatz zur Verfügung haben. Die linke und die mittlere sind Graspisten. Die ganz links dient vor allem dem Segelflug. Sie ist relativ kurz und wird auch für Übngszwecke gebraucht. Die Piste rechts allerdings ist asphaltiert und mit 800 Meter die längste und auch die meistbenützte Runway. Sie wird auch vom Militär benützt. Überhaupt, das muss ich voraussagen: Eigentümer des Flugplatzes ist der Bund, Locarno und der Kanton Tessin. Denn eigentlich ist das ein Militärflugplatz. Deswegen regeln während der Woche auch Militärleute im Turm den Start- und Landeverkehr. Doch Militär und Zivil harmonieren bestens zusammen. Doch wenn die orangefarbenen PC 7 (Pilatusflugzeuge) fliegen, dann haben wir dort nichts zu suchen und Center wird obligatorisch angeflogen und auch gestartet. Diese schönen und sehr leistungsfähigen Turbopropflugzeuge dienen dem Militärpilotennachwuchs. Hier werden militärpflichtige junge Leute zu Piloten ausgebildet. Das geht in drei Phasen vor sich: Erste Phase: sie gewöhnen sich an den militärischen Drill und Disziplin und lernen eine schwere Mschine zu beherrschen und zu fliegen. Dann ist ein Eignungsstest vorgesehen. Und da fällt schon der erste Drittel der Rekruten weg. In der zweiten Phase lernen sie dann den Formationsflug, also das Fliegen im Verband. Was sie dann weiter noch lernen, das haben die wenigen Piloten, die an der Flugplatz-Restaurationsbar standen nicht erfahren. Doch es findet nochmals eine Selektion statt, wo wieder ein grosser Teil ausscheidet. Doch die werden, soviel ich in Erfahrung bringen konnte, dann als Fluginstruktoren eingesetzt. In der dritten Phase der Pilotenausbildung muss es dann schon recht streng vorangehen, denn nie war es mir vergönnt,mich mit einem solchen schon weit fortgeschrittenen Militärpiloten zu unterhalten. Diese haben ja auch eine eigene Kantine auf ihrem Areal und setzen dann ihre fliegerische Ausbildung als Jetpiloten in Payern fort. Na, denen wünsche ich viel Glück für ihre militärische- und zivilfliegerische Zukunft. Früher war der Weg eines Swissairpiloten meistens dieser - über Militär- zum Linienpilot. Das war auch mein Bubentraum, nachdem ich das Buch "Wer fliegt mit"
vom Autor Ackermann gelesen hatte. Doch da sagte mein Lehrer ganz
trocken zu
mir: "Franz, dafür bist du einfach nicht gescheit genug."
Vielleicht war das die
Triebfeder, die mich dazu veranlasste, das Fliegen zu erlernen.
Natürlich
auf meine eigenen Kosten.Und das ist eine sehr teure Sache! Nur
einmal der grösste Brocken: Eine
Flugminute kostete mich 1975 3 Franken. Dazu kamen die
Landegebühren mit 3 Franken
je Landung. Auch wenn beim Durchstarten der Boden nur ganz kurz
"berührt" wurde, es wurde verrechnet. Dazu kamen als
nächster
grösserer Spesenfaktor das Wohnen und Verpflegen. Vom Lohn-
oder
Verdienstausfall gar nicht zu reden. Das alles zusammen kann ganz
schön in's
Geld gehen. Nun, knausern musste ich nicht. Ich hatte ja vorher ganz
gut verdient
und ich habe mein Geld genau für die Fliegerei aufgespart. Und
noch heute
reut mich kein einziger ausgegebener Franken dafür. Und der
Meinung meines Lehres, ich sei zu dumm zum Fliegen habe ich somit
widersprochen! Jeder kann das Fliegen lernen. Ja, es ist sogar
leichter als das Autofahren.
Auf was es beim Fliegen ankommt, ist Exaktheit, Besonnenheit und ein
ganz kleines
bisschen Mut natürlich schon auch. Oder stelle dir einmal vor,
du
sitzest zum
erstenmal ganz alleine im Cockpit und dein Fluglehrer steht draussen
auf dem festen
und ach so vertrauten Boden und sagt: "so, nun versuchs
alleine!"
Wem würde es da schon nicht etwas mulmig dabei? Ich erinnere
mich
noch sehr gut an meinen ersten
"Alleinflug"..... Das war
noch in Lachen SZ, als ich das erste Mal alleine
in die Luft ging. Der Fluglehrer schien mir eher uninteressiert zu
sein. Das
Flugzeug, eine Cessna 150 schien ihm privat zu gehören. Der
Flugplatz allerdings
war nicht gerade zum Fliegenlernen geeignet. Kurze Piste und rechts
Volte und
ab und zu
kräftiger Föhn waren nicht
gerade geeignet für Anfänger. Ein Kontrollturm gab es
nicht. Getankt werden musste mit
einem Plastikeimer und Trichter und unter Zuhilfnahme einer Bockleiter.
Das ging so: Damit man mit
dem Flugzeug
nicht nahe genug an die Tanksäule herankam, musste das Benzin
in den Eimer
gepumpt und dieser dann sorgfältig zum Flugzeug getragen
werden. Nun das
Leiterli heraufgestiegen, was des vollen Eimers wegen nicht gerade
einfach war.
Nun mittels Trichter sorgfältig in den
Benzineinfüllstutzen leeren. Und das
einmal auf dem linken und dann auf dem rechtem Flügel.
Für Nichtpiloten: die
Benzintanks befinden sich in den Flügeln. Zuletzt dann noch
mit einer
Taschenlampe kontrolliert, ob die Tanks auch wirklich voll waren. Dann
wurde
die bezogene Benzinmenge in ein Büchlein eingetragen. Eine
Sache der
Ehrlichkeit. Wollte sich jemand
diese
umständliche und nicht ungefährliche und akrobatische
Arbeit ersparen, dem
blieb nichts anderes übrig als nach dem Flugplatz Fehraltdorf
zu fliegen. Mein erster Alleinflug Das war
ein Ereignis. Ja,ich möchte sagen: Es war mein
grösstes Ereignis. Vorerst einmal ist da das Vertrauen vom
Fluglehrer, der
einem so eine teure Maschine anvertraut. Dann ist das auch eine
Bestätigung,
dass man Fortschritte gemacht hat. Aber, es braucht schon etwas, bis man
endlich soweit ist. Da stecken schon einige Flugstunden dahinter, die
uns beiden,
dem Instruktor und Flugschüler, viel
Mühe
und Schweiss abverlangen. Immerhin habe ich ja mitten im Sommer damit
angefangen. In
so einer engen Flugzeugkabine kann es schon ordentlich heiss werden.
Ist man
aber dann in der Luft, dann kommt durch die Cockpitlüftung
genug frische
Luft hinein. Und je höher wir fliegen, desto kühler wird es dann. Also, ich
sitze jetzt alleine im Cockpit auf der linken
Seite, also auf dem Capitainssitz. Der Istruktor steht draussen und
gibt die
letzten Anweisungen. Und dann geht es los; ein
letzter Blick auf Instrumente und
Bedienungselemente, ist alles Ok?
Nichts übersehen oder vergessen? Ich nehme das Mirofon zur
Hand und melde dem
Tower: OTE = O
(Oskar ) T (Tango) E
(Echo)Ready for teak up auf Piste
Centro 26. Die Freigabe kommt - ein letzter Blick
zumFluglehrer
hinaus. Und jetzt den Gashebel voll hineingeschoben. Ha, welch
ein Gefühl! Die Maschine beginnt zu rollen.
Immer schneller und schneller. Jetzt leicht am Steuerhorn gezogen, nur
leicht
und sachte zuerst. Ich merke, wie sich die Tendenz der Maschine
anzeigt, dass
sie am Abheben ist. Mehr gezogen und ja nicht links oder rechts
ausbrechen jetzt,
sonst kommt die Flugi ab der Piste. Das ist Fussarbeit, denn die
Seitensteuerung
wird mit den Fusspedalen betätigt. Nun hebt sie ab, wir sind weg vom Boden, wir
schweben. Nun
aber in der Euphorie nur nicht vergessen, was ich in den letzten Wochen
alles
gelernt habe! Also, jetzt drücken, das Auge fest auf den
Geschwindigkeitsmesser geheftet und ja den Steigwinkel nicht aus den
Augen
lassen. Nicht zu viel und nicht zuwenig muss es sein. Doch es klappt
alles wie
gelernt. Ein Start wie aus dem Büchlein! Jetzt leicht das Gas
reduzieren um den
Motor nicht zu überbeanspruchen. Aber ein leichtes, mulmiges
Gefühl kommt
jetzt doch auf. Was mache ich wenn? Läuft der Motor ruhig? Bin
ich auch schön in
der Waagrechten - ein Blick auf den künstlichen Horizont am
Armaturenbrett überzeugt mich,
dass ich richtig liege. Dann also schön der vorgeschriebenen
Volte gemäss fliegen.
Leicht nach rechts, wieder geradeaus. Nun links drehen um 180 Grad auf
die
andere Seeseite gesteuert. Ich fliege nun über dem See. Was
würde ich jetzt
machen, wenn ich notlanden müsste?
Ich
habe gelernt, immer vorausschauend eine eventuelle
Notlandemöglichkeit zu
sehen. Müsste es sein, dass ich auf dem See niedergehen
müsste, dann möglichst
nah am Ufer. Aber
problemlos erreiche ich die andere Seite und drehe
nochmals um 90 Grad und befinde mich nun in der Gegenrichtung. Also
wieder
gegen den Flugplatz. Ich melde den Kontrollern im Turm mein Kommen und
kriege
die Bestätigung: ok, OTE sie sind Number One procedere. Ich
bedanke mich artig
unter Wiederholung der Anweisung (englische Höflichkeit
herrscht
im
Luftverkehr!) . Nun komme ich an das Ende der Flugplatzvolte und steuere
nun
wieder die rechte Seite der Magadino Ebene an. Bis zur Pistenachse geht
es noch
eine Weile, denn die Geschwindigkeit habe ich inzwischen auf ein
Minimum
reduziert. Ich beginne die Flaps auszufahren. 10 Grad zuerst. Dann 20
und
zuletzt 30 Grad Flaps. Ich melde dem Tower, dass ich zur Landung bereit
bin. An
nichts anderes als nur an die Landevorbreitungen ist nun zu denken,
nichts
anderes belastet meine Aufmerksamkeit. Totale Konzentration. Nun habe ich
die
Piste schön gerade vor mir. Ich lasse die brave Maschine
sinken.
Und immer
schön die Instrumente im Auge behalten.
Vergaservorwärme
rein. Mixer reguliert. Sind die Flaps richtiggesetzt? Schön in
der
Waagrechten und
kein "Flügelhänger?" Ich
befinde mich haargenau auf der Pistenachse. Also, letzte Phase mit
voller
Konzentration. Ich nähere mich dem Pistenanfang, nun ganz
leicht
ziehen und die
Pistenschwelle möglichst genau treffen. Ja, es
gelingt, es
gelingt sogar
sehr gut. Meine erste Alleinlandung wird eine Prachtslandung werden.
Dann spüre
ich die Räder auf der Piste. Nun beginnt die Fuss- und
Beinarbeit.
Links rechts
links rechts immer genau gegensteuern, wenn das Flugzeug ausbrechen
will. Dann
sind alle drei Räder am Boden und ich rolle wieder auf festem
Boden. Die Erde
hat uns wieder, sagte nach jeder Landung mein Fluginstruktor immer
wieder. Doch nicht jede Landung gelingt perfekt. Setzt man zu
heftig auf (Fallenlassen
der Maschine),
kann das zu Sprüngen oder zum Hüpfen führen.
Dem sagten wir dann: Montag - Dienstag
- Mittwoch und wenn es gar schlimm war, bis an's Wochenende. Dann aber
wird man
ganz bestimmt aus dem Cockpit geholt. Aber so schlecht fliegt wohl
niemandmehr beim ersten Alleinflug. Aber auch das "Zukurzkommen" sowie das "Zulangkommen" gilt nicht. Dann muss in jedem Fall durchgestartet werden. Das "über die Piste Hinausrollen" ist verpönt und kann auch gefährlich sein. Mir passierte dies auf dem Flugfeld bei Altendorf SZ. Die Piste liegt auf einer Landzunge und ist somit auf drei Seiten von Zürichseewasser umgeben. In Richtung Nord endete die asphaltierte Piste direkt am Wasser. Im Süden hingegen war ein Stück Sumpfgebiet vor dem Rollfeld. Und genau das sumpfige Gelände kann einem Piloten zum Verhängnis werden, sollte er den unverzeihlichen Fehler machen, darin aufsetzen zu wollen. Mein Problem war, es herrschte leichter Föhn,also Wind von Süden. Und bekanntlich soll man ja nicht mit Rückenwind landen. Dies meldete ich dann auch meinem Fluginstruktor. Doch der bestand darauf, dass ich von Süden her lande. Aus welchen Grund habe ich nie erfahren. Der wollte mir vielleicht nur eins auswischen? Aber, was sollte ich machen, befehlen tat er, der Fluglehrer, auch wenn er sicher auf festem Boden stand. Nachdem ich verschiedene
missglückte Anflüge geflogen war, begann ich
dummerweise,
zugegeben, die Geduld zu
verlieren. Also drückte ich beim nächsten Landeanflug
die
Maschine fest herunter.
Nun war der Anflugswinkel aber zu steil und eine gute Landung nicht
möglich.
Doch ich wollte es trotzdem versuchen mit schlechtem Ergebnis, wie zu
erwarten
war. In etwa der Mitte der Piste kam ich auf den Boden und nun begann
eine
verzweifelte Bremserei. Die Bremse wirkt
aber nur auf die beiden Vorderräder. Um
die Mschine geradeaus zu halten, muss abwechselnd auf das Links- und
Rechtspedal
getreten werden. Auch dies ist mehr eine Gefühlssache als
Können. Der See kam
schon ganz bedrohlich näher und näher und ich sah mich mitsamt dem Flugzeug schon im
Wasser.
So ziemlich auf den letzten Meter genau gelang es mir, den Vogel
anzuhalten. Der
Instruktor raufte sich die Haare und sah seine schöne
blauweisse Cessna 150
schon im Zürichseewassser versinken. Was er sich dabei dachte, konnte ich
nachher akkustisch
hören. Nachdem wir uns vom
ersten
Schreck erholt hatten, legte er los. Ich aber auch! Ich wollte ja gegen
den Wind
landen und er liess es nicht
zu. Wir
machten uns gegenseitig
Vorhaltungen.
Nach meiner Meinung hatte ich recht. Nie mit Rückenwind
landen, klang mir noch
immer aus den Theoriestunden in meinen Ohren nach. Starten und landen
immer
gegen den Wind. Doch mein Fluglehrer blieb dabei. Ich hätte
nach seinen
Anweisungen zu handeln und nicht eigenmächtig selber
zu entscheiden. Und damit war
wohl unser Vertragsverhälnis zu Ende. Meine nächsten
Flugstunden absolvierte
ich auf dem Speck, dem Flugplatz in Fehraltdorf.
Die
geneigte Leserin und Leser mögen sich das einmal
bildlich vorstellen; der Flughafen Kloten, der
Militärflugplatz Dübendorf und
der Flugplatz Speck
liegen unter einer
riesengrossen Glocke. Denn, alle drei müssen von der
Flugleitstelle Skyguide
(früher Swisscontrol) kontrolliert und koordiniert werden.
Keiner darf den
andern behindern und zu der Zeit, als ich die Flugschule absolvierte,
hatte
das Militär das Vorrecht und Kloten wie auch der Speck hatte
sich Dübendorf
weitgehend anzupassen. Wir vom Flugplatz Speck durften eine bestimmte
Höhe
nicht überschreiten. Auch der Flugradius war genau vorgegeben.
Einen eigenen
Kontrollturm hatten wir nicht und jeder rannte draussen auf dem
Flugfeld mit
einem Walki-Talkigerät herum. Solange wir auch nur im
Flugplatzbereich
herumflogen, spielte das auch keine Rolle und wir störten
weder die Verkehrs-
noch die Militärfliegerei. Ausserdem waren die
Fluginstruktoren ja meist selber
Zivil- oder Militärpiloten und mit den Verhältnissen
bestens vertraut. Am
schönsten war für mich natürlich, dass ich
es mit kompetenten Instruktoren zu
tun hatte. Immer war alles klar und bestimmt. Doch es war für
mich auch sehr stressig.
Ich stand ja voll in meinem Beruf als Koch und Gastwirt mit einem
eigenem
Betrieb. Sehr bald stellte mein Fluglehrer fest, dass ich so
überfordert war.
Das heisst, ich war meistens nicht in der optimalen Form, die von einem
Piloten
erwartet wurde. So machte mir dann auch bald der Fluginstruktor klar,
dass es für
mich weitaus besser wäre,
wolle ich mein Pilotenbrevet in absehbarer
Zeit erhalten, dass ich mich voll und ganz nur der Fliegerei widmen
würde. Sein
Vorschlag war, in den Tessin zu fahren und auf dem Flugplatz Magadino
eine Vollzeit
Flugschule besuchen. Sein Vorschlag
fand ich gerechtfertigt und so meldete er mich bei Aero Ticinese in
Magadino
an. Ich habe es nie bereut.
Der
Flugplatz liegt am oberen Seeende des Lago Maggiore
am Anfang der bekannten Magadinoebene. Eigentlich ziemlich abgelegen,
denn es
führte kein öffentliches Verkehrsmittel dorthin. In
der Nähe liegt der
ebenfalls bestbekannte Campingplatz
von
Tenero (Campo Felice) und das Naturschutzgebiet "Bolle di Magadino."
Das ist ein grösseres, dicht bewaldetes Sumpf und Moorgebiet
an der Mündung von
den beiden Flüssen Ticino und Verzasca. Vor allem ist es
bekannt wegen seiner
reich bevölkerten Vogelwelt. Von den Zugvögeln auch
als Rastplatz bei ihren Durchzügen
beliebt und viel benützt. Ich konnte
stundenlang auf den schmalen Weglein
dahinschlendern, umgeben von einer sehr reichen Flora. Tiere sah man weniger und die Vögel hielten sich eher
in Wassernähe auf und waren nicht so gut sichtbar. Aber die
Ruhe war wohltuend
- wäre der Fluglärm vom nahen Flugplatz Magadino
nicht und das Geschepper von
der nahen Kiesausbeute. Die stand komischer- (und verbotener)weise
mitten in
diesem Naturschutzgebiet und wirkte hier völlig deplatziert.
Doch dieses
Kieswerk wird nun aufgehoben. Links von den Pisten befindet sich ein
Damm und dahinter
verstepptes Grasland, das dann an den Fluss Ticino stösst. Im
Sommer weiden dort
Kühe oder Schafe das harte Gras ab. Der Boden ist ziemlich
sandig und so
recht wachsen will nichts. Aber es ist sehr schön und angenehm
zu wandern. Der
Boden ist so herrlich weich. Meistens
führt der Ticino nur wenig Wasser. Doch nach
einer längeren Regenperiode steigt das Wasser oft ganz
bedrohlich bis an die
Dammkrone. Dann wird das so zahm scheinende Flüsschen zu einem
reissenden Strom,
der dann bis weit in den See hinaus das Wasser braun färbt. Auf der
rechten Seite des Fluggeländes breiten sich weite,
grüne Felder
aus. Der Boden ist, da
ehemaliges Schwemmland, sehr fruchtbar und begehrtes Anbaugebiet
für fast alles.
Mais, Getreide, Knollenfrüchte aller Art gedeihen sehr gut.
Weiter
Ebene
aufwärts beginnen dann die grossen Plastiktunnels, die aber
dem
Betrachter die
Sicht versperren und es bleibt ihm ein Geheimniss, was da alles unter
diesen
sehr langen und breiten Tunnels versteckt ist. Noch weiter rechts
schneiden Strasse
und Bahnlinie das grosse Anbaugebiet entzwei. Meine Flugausbildung
machte ich
in der Zeit, als die Schnellstrasse quer durch den unteren Teil der
Magadinoebene gebaut wurde. Das sich im Bau befindliche
Strassenstück glich
sehr der Flugpiste und mehr als einmal war ich versucht - aber auch
viele
andere Piloten - auf dieser pistenähnlichen Fläche zu
landen.
Für Ortskundige:
die Schnellstrasse die heute einen Teil der Autobahn sein soll, die
aber noch
immer in ihren Geburtswehen liegt, zweigt ab von der Kantonsstrasse,
die Quartino
mit Riazzino verbindet und kommt dann am oberen Seeende des Lago
Maggiores
(Mappo) mit der Bahnlinie Bellinzona-Locarno zusammen. Nachdem die
Umfahrungsstrasse Mappo-Morettina, die Minusio im Berginnern
umfährt,
gebaut war, führt und verschwindet die nun als Autobahn
geltende
Strasse in ein
Tunnel und und trifft dann auf das kurze Autobahnteilstück
Locarno-Ascona. Ein
Stück Tessinergeschichte könnte man das Drama nennen,
das ich
während fast 10 Jahren
aktiv mitverfolgen konnte. Eine echte Kirchturmpolitik ist da betrieben
worden, was vom Projektbeginn bis zur Fertigstellung gut und gerne 15
Jahre in Anspruch
genommen hat. Nun ist ein Verbindungsstück von eben dieser
Autobahn zur A 2
geplant und soll mitten durch die Piano Magadino führen. Da
wehren
sich
natürlich die Bauern dagegen. Es ist ja auch schade, bestes
Kulturland auf diese
Weise zu verbauen, wertvolles Land entzwei zu schneiden und
zusammenhängende
Landstücke die zu einem Hof gehören, zu trennen. Es
besteht
die Möglichkeit, das
neue Autobahnteilstück in den Berg zu verlegen, was auch
ästhetisch die viel
bessere Lösung wäre. Da aber spielt
wieder die Finanzierung der Mehrkosten mit. Die drei
Flugpisten enden ebenfalls am See, der aber noch
durch die grossen Campingplätze begrenzt
wird. Interessant ist es in der Sommersaison, wenn
all diese Plätze mit
Sommertouristen belebt sind. Ein unglaubliches und frohes und
lebendiges
Farbenspiel bietet sich dann den Fluggästen und Piloten. In
den Sommermonaten
leben mehr Menschen auf dem Campingplatz von Tenero als es Einwohner im
Dorf hat. Dann kommt
noch der Campo sportivo dazu, der immer
populärer wird. Doch wir
auf dem Fluggelände merken von dem ganzen
Touristenrummel nicht viel. Obwohl uns natürlich Zuschauer
immer freuen. Es gibt
ein sehr schönes Restaurant auf dem Platz, das auch vom
nahegelegenen Paracentro
bevölkert wird. Somit haben wir auf dem Aero Porto Ticinese di
Magadino die
Militärfliegerei mit ihren PC 7 und PC 9, den Heliport der zur
Rega gehört, den
Zivilflugplatz mit drei Pisten, eine davon asphaltiert und auch
für kleinere
Jet's lange genug. Die mittlere Piste ist die von den Sportpiloten am
meisten
benützte. Die Graspiste ganz links dient vor allem dem
Segelflug und für
die Flugschulanfänger. Im Sommer ist ganz schön
Betrieb auf allen Pisten. Für
Touristen ist natürlich das Fallschirmspringergelände
besonders interessant. Wir waren mehrere Flugschüler, jeder mit seinem eigenen Instruktor. Zuerst das übliche Begrüssungsgespräch wobei einem der gute Mann zuerst einmal nach der Befindlichkeit des Schülers befragte und man etwas genauer gemustert wurde. Dann wurde der Aussencheck vorgenommen; Propeller- und Motorenkompressionsprobe. Das wurde mittels Drehen des Propellers von Hand geprüft. Auch sollte der Propeller nicht gerade wie ein Sägeblatt aussehen, also keine Scharten aufweisen. Das Pitotrohr liegt ausserhalb und unter dem Flügel des Flugzeuges und zeigt rechtwinklig in die Flugrichtung. Mittels Staudruck gibt es die Daten an die Instrumente im Flugzeugcockpit an. Da dieses Röhrchen ausserhalb liegt, kann es bei der Landung z.B.mit Staub, Erde oder organischem Material verstopft werden. Deshalb muss es vor jedem Abflug peinlich genau kontrolliert werden. Auch der Ölstand im Motor darf nicht einer eingehenden Kontrolle entgehen. Und natürlich auch ein Blick in die beiden Benzintanks. Das allerdings war ein Akrobatenstück! Dazu brauchte man eine Leiter, um auf die Flügeloberfläche zu kommen und in den Tank zu sehen. Nicht zu vergessen auch die Fensterscheiben! Denn was gibt es Aergerliches als verschmutzte Scheiben, wenn man schon am Starten ist und die Welt nur durch einen Schleier sieht? Besonders schlimm, wenn die Sonne dann noch alles in einen undurchsichtigen Nebel hüllt. Muss eventuell noch aufgetankt werden, dann ruft man den Flugzeugservice im Hangar an und schon kommt er angefahren mit einem Kleintankwagen. Natürlich erwartet der Mann - zu meiner Zeit war es ein Spanier - ein Trinkgeld oder man bezahlte ihm einen Kaffee im Restaurant. Nun, aussen wäre also alles ok und man setzt sich in den Flieger. Der Instruktor auf der rechten, sein Flugschüler auf der linken Seite. Das Manual wird zur Hand genommen und das Abchecken beginnt. Viele Punkte sind dabei präziös abzuchecken, Punkt für Punkt und vor jedem Start. Dann Anschnallen, die Trimmung auf neutral stellen, die Beweglichkeit der Pedale und Steuerung prüfen. Alles soll leicht und ohne Widerstand gehen. Dann nimmt der Chef das Mikrofon zur Hand und meldet dem Tower, dass wir bereit zum Start sind. Es kommt die Durchgabe von Pistenrichtung, Windstärke, Luftdruck und schliesslich die Freigabe für den Taxirun. Das ist die Rollbahn zur Startpiste. Dort, wo der Taxiway in die Start- und Landebahn einmündet, wird an der Stoplinie gewartet bis die Erlaubnis vom Turm zum Start kommt. Warteschlangen gab es auf unserem Flugplatz nur ganz selten. Und wenn, dann waren es meist nur eine oder zwei Maschinen und das meist auch nur an Sonn- und Feiertagen. Dann drehen wir Runde um Runde; Start, das Abfliegen der Volte (genau bezeichnete Flugroute nach dem vorliegenden Routenplan.) Der ist genau einzuhalten so etwa wie auf der Strasse in einem Verkehrskreisel. Und dauernd muss der Funkkontakt mit dem Tower aufrechterhalten werden. Die Leute dort oben in luftiger Höhe müssen doch immer ganz genau wissen,wo sich ihre Kunden aufhalten. Ein Zusammenstoss in der Luft wäre keine gute Reklame
für die Flugsicherung.
Kommt man auf die Gegenflugstrecke, wird dies im letzten Drittel der
Flugleitung
gemeldet, damit man
sich in die
"Warteschlange" einreihen
kann. Meistens gibt's aber hier in Magadino keine. Wir sind ja auch
nicht auf
einem Grossflughafen wo die Maschinen im Minutentakt kommen und gehen.
Wir
erhalten also eine Nummer, meistens sind wir die Nummer 1 und
können zum
Landeanflug übergehen. Haben wir die Landebahn, sie liegt noch
etwa zwei
Kilometer vor uns als schmaler und langer grauer Strich, melden wir zum
Tower
die Landebereitschaft. Nun steuert man die Piste so genau wie möglich
an, wobei eventuelle Seitenwinde miteinbezogen werden müssen.
Dies
bekommen wir auch korrekt vom Turm gemeldet;
Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie das QNH. QNH ist
der Luftdruck nachdem der Höhenmesser eingestellt
ist. Doch wir landen ja nach "Augenmass" und gleichen Abweichungen
der Anflugachse von Hand und mit Augenmass aus. Stimmt der Sinkwinkel,
dann ist
eine schöne, weiche Landung sicher. Stimmt der Winkel nicht,
weil man
vielleicht zu hoch oder zu tief anfliegt, dann kann es auf der Piste
recht
holperig werden. Kommt man zu kurz oder zu lang, dann heisst es
meistens
Durchstarten. Das gibt nicht nur unnötige zusätzliche
Flugzeit. Die muss ja
auch bezahlt werden und ist also teuer. Aber es stört auch die
Kontroller im
Ablauf ihrer Zeiteinteilung. Meistens sind wir ja nicht alleine auf dem
Flugplatz
und noch andere wollen starten oder landen.
Sind wir
glücklich auf dem Boden angekommen, dann gilt es,
die Piste so schnell wie möglich frei zu machen und den
nächsten Taxirunway zu
erwischen. Höflichkeitshalber meldet man sich dann bei den
Towerleuten ab. Die
sehen zwar ja jede Bewegung von uns, doch sicher ist sicher und etwas
Höflichkeit kann nie schaden. Die
Maschine wird nun zurück an ihren Stamm-oder
Parkplatz gerollt und ordentlich ausgerichtet mit den andern parkierten
Flugzeuge abgestellt. Der Zündschlüssel wird
abgezogen und auf dem Armaturenbrett
deponiert. Nun folgt die
Besprechung mit
dem Instruktor. Dies und jenes muss noch besser gemacht werden. Auf
folgendes
sollte mehr geachtet werden. Der nächste Termin wird
bekanntgegeben. Dann
geht's ab in die Freiheit. Unsere
Theorielokale befanden sich etwas abseits in
Holzbaracken.Da waren auch die Falschirmspringer zu Hause mit ihren
langen Holztischen zum Falten ihrer Fallschirme was unter einem grossen
Vordach
geschah. Immer war ein munteres Treiben rund um diese Holzbuden.
Drinnen waren
sie höchst einfach eingerichtet. Nur, im Sommer wurde es
drinnen fast
unerträglich heiss! Da hatten es die Springer schon besser,
die machten ihre
Theoriestunden am Schatten unter dem
Vordach.
Wir sassen drinnen und stöhnten über die
drückenden
Hitze. Zwei junge Instruktoren, die Berufspiloten
waren,
erteilten uns das nötige Wissen über die Fliegerei
wie
Wetterkunde,
Aerodynamik, Motorenkunde, und vor allem wurde sehr viel über
das
Luftverkehrsgesetz erzählt und
diskutiert. Das war aber eher die Arbeit des
Schulddirektors, Manfred
Marazza. Bei ihm gingen die Schulstunden noch viel schneller vorbei. Er
wusste
den Stoff immer so interessant und lebendig zu dozieren dass es
niemandem
langweilig wurde. Die Stunden verflogen trotz den widrigen
Umständen schnell
und waren immer sehr interessant. Noch ein
Vorfall blieb mir besonders in Erinnerung: Noch
zu Anfang der Theoriestunden kam da unvermittelt ein langer,
schlacksiger Junge
in's Theorielokal getaumelt. Mit lautem Hallo begrüsste er die
Runde und setzte
sich so selbstverständlich an einen freien Platz, als ob er
schon lange und von Anfang an dabei wäre. Im Nachhinein erfuhren wir dann, dass er
von Beruf
Ingenieur sei, in Brasilien lebe und arbeite, einen sehr schweren
Autounfall
mit knapper Not überlebte und dadurch etwas "angeschlagen"
sei. Wir
sollten doch so nett sein und mit ihm etwas Geduld haben. Das machte
uns natürlich schon etwas stutzig; uns kam er, mit Verlaub
gesagt, eher etwas
betrunken vor als er so burschikos in unser Schulzimmer trat. Nicht nur
seine
Körperlänge war beeindruckend, auch sein Stimmorgan
war recht kräftig. In der
Schule kam er sehr gut voran, einen geistigen
"Defekt" schien er bei seinem Unfall nicht davongetragen zu haben.
Doch irgendwie führte er sich schon etwas komisch auf. Mir
kam er vor, als ob
er leicht betrunken wäre. Seine Antworten waren zwar immer
richtig und vor allem
sehr laut. Doch auch er musste bei der Theorieprüfung zweimal
antreten wie wir
alle andern auch. Daselbe
auch bei der
Radiotelefonieprüfung. Soviel hatte der gute Mann uns also
nicht voraus. Und
noch etwas möchte ich ganz bescheiden erwähnen; ich
war der Einzige von den 12
Kursteilnehmern ohne akademischen Grad. Bis an das verflixte
Winddreieck kam ich
ganz gut mit und hatte mit dem Lehrstoff kein Problem. Beim Winddreieck fehlte mir einfach das,
was die andern
anscheinend schon in ihrem Uni- oder Techstudium gelernt haben. Doch
bei der
Prüfung half mir dann der Prüfungsexperte
grosszügig bei dieser schwierigen
Aufgabe. Nun ganz leicht Gas zurücknehmen, den Tourenzähler immmer schön im Auge behalten. Beim Erreichen der Voltenhöhe die Vergaservorwärmung einschieben und den Mixer leicht verstellen, so dass der Motor schön rund arbeitete. Alles ging wie am Schnürchen. Wir flogen weit über den See hinaus. Nun wurde ein Vollkreis angeordnetet. Auch den erwischte ich perfekt. Wenn die Maschine leicht rüttelt nach Vollendung des Kreises, dann heisst das, dass man die Höhe ganz genau eingehalten hat. Bei einem Wendemanöver hat nämlich das Flugzeug die Tendenz, abzusinken. Ein Lob war mir sicher und ich bekam es auch gleich zu hören. Gut gemacht, Franz. Nun flieg mal genau nach Süden. Süden ist, wenn die Magnetkompassnadel genau auf 180 Grad zeigt. Nun nach Osten,dann nach Norden. Alles läuft reibungslos. Zurück zur Landung. Nun, wenn mir diese auch so gut gelingt wie das Kreise fliegen, dann habe ich gewonnen, juble ich innerlich. Nun muss ich aber das Mikrofon übernehmen und auch die Arbeit des Bordradiotelfonisten übernehmen. Noch nicht erwähnt
habe ich, das alle Flugzeuge
hier auf dem Platz mit UKW Radio ausgerüstet sind. Das braucht
es, um einen
geordneten Flugbetrieb halten zu können. Jeder Flugplatz hat
eine eigene
Frequenz. Die Zentrale ist oben auf dem Kontrollturm. Die
Flightcontroller sind oder
waren von Radio Schweiz gestellt und
haben ebenfalls eine Pilotenausbildung hinter sich. Allerdings wurde
diese vom
Bundesamt für Flugverkehr bezahlt. Mit uns machten
fünf oder sechs Aspiranten die
Schule, allerdings separat und nicht mit uns zusammen. Da der Flugplatz
Magadino/Locarno aber dem Militär untersteht, sind
Militärpersonen auf dem Turm.
Nur samstags und sonntags sind Zivilisten die Controller und tragen die
Verantwortung mit. Sicher
muss es für einen Prüfungsexperten nicht unbedingt
die reine Freude bedeuten, mit "Lehrlingen" in der Weltgeschichte
herumzufliegen. Ein gewisses Risiko ist doch immer mit
dabei. Das
gilt auch für die Fluginstruktoren. Wenn ich zurück
denke an meine eigene Unerfahrenheit: Die ersten Flugstunden
müssen doch der
reinste Horror für einen Fluglehrer bedeuten. Oder
gewöhnen
sie sich mit der
Zeit daran? Machen
es diese so automatisch
und sind so in Routine verfallen, dass sie die Gefahr gar nicht mehr
wahrnehmen?
Aber nie hat sich ein Fluglehrer beschwert oder beklagt. Und etwas
Schauspielern müssen sie ja wohl doch auch so manchmal. Wenn
ich nur daran
denke, dass ich aus lauter Nervosität einmal den Gashebel mit
dem Mixer
verwechselte! Fatal kann so etwas ausgehen, vorallem beim Durchstarten hätte das
schlimme Folgen. Der Mixer ist
deshalb rot gefärbt. Aber eben, in der Hitze des Gefechtes
ist schnell einmal
der falsche Knopf oder Hebel gezogen oder gestossen. Also immer vollste
Konzentration beim Fliegen. Sicher geschehen die meisten
Flugunfälle aus
solchen überstürzten Fehlhandlungen heraus. Da eine
unvorhergesehene
und schwierige Situation schnelle Entscheide braucht, ist dann in der
Hast
schnell ein Fehlgriff passiert. Und der kann fatal sein. Nehmen wir
einmal
an,der Vergaservorwärmer ist noch gedrückt. Beim
Landen sieht der Pilot, dass er
zu kurz oder zu lang "kommt" und will nun zum Durchstarten Vollgas
geben. Was passiert nun? Sehr wahrscheinlich stellt der Motor ab und
schon
rutscht die Maschine unkontrolliert über die Piste. Die
Vergaservorwärmung ist dazu da, die
Benzindurchlaufdüse nicht vereisen zu lassen, wenn es in grosser
Höhe sehr kalt ist.
Bemerkt
das der Pilot zu spät, hat das fatale Folgen. Der Motor
bekommt kein Benzin mehr
und "stirbt." Glück hat dann der, welcher in der Nähe
eines Flugplatzes ist
und eine "Notlandung" vornehmen kann. Weit weg von einer Landepiste
gibt es nur eine Möglichkeit; nach einem ebenen Stück
Land Ausschau zu halten
und darauf eine sog. Aussenlandung vorzunehmen. Eine kostspielige
Sache.
Eventuell muss das Flugzeug demontiert werden, damit
es auf den Flugplatz zurückgeführt
werden
kann. Wie ich
schon erwähnte, gibt es noch diese Gras-Piste
links. Das ist auch die kürzeste und wird vor allem von den
Segelfliegern
benutzt.Die Segelflugpiste ist nur über einen ziemlich
versteckten Zugang
erreichbar. Links befinden sich ein Hangar sowie ein Betriebsbaracke
für die
Segelsportler und deren Helfer. Alles ist äusserst einfach
eingerichtet,
nur mit einer "Buschtoilette" hinter dem Hangar. Betrieb war
eigentlich nur über das Wochenende und natürlich im
Frühling, Sommer und
Herbst. Die Segelflieger wurden mittels eines Schleppflugzeuges in die
Luft
gebracht, was jedes Mal für die Zuschauer ein besonderes
Erlebnis ist. Die
Flieger sind längsseits der Piste geparkt und warten darauf,
hochgezogen zu
werden. Dazu gehört auch eine kleine Mannschaft, die beim
Start behilflich ist.
Denn ein Segelflugzeug hat keine Räder, sondern nur eine Kufe
unter dem Rumpf.
Deshalb stützt sich die Maschine mit einem Flügel am
Boden ab. So kann
natürlich nicht gestartet werden. Also wird jedes
Flügelende von einem Helfer
gehalten bis das Flugzeug soviel Luftströmung unter den
Flügeln erhält, dass es
in die Waagrechte kommt. Das heisst, die beiden Helfer müssen
auch ziemlich
sportlich sein, damit sie mit Rennen nachkommen, wenn der
Schleppvorgang beginnt. Aber es ist immer wieder ein besonderes Schauspiel, wenn so ein Segler in die Luft geht, leicht wie eine Feder. Das Schleppflugzeug ist eine einfache, einmotorige Maschine. Um zum Schleppflug zugelassen zu werden, braucht der Schlepppilot eine spezielle Ausbildung. Probeflug mit Segelflugzeug
Einer
meiner Ausbildner war auch Segelflieger und lud mich
zu einem Flug ein. Der Start verlief wie oben beschrieben. Da ist gute
Zusammenarbeit zwischen dem Schlepper und dem Segler oberstes Gebot. Da
das
Segelflugzeug leichter ist als das Motorflugzeug, ist es auch
früher in der
Luft. Da braucht es gutes Fingerspitzengefühl.
Gemächlich werden wir jetzt in
die Höhe gezogen, immer das Zugseil gut im Auge behaltend,
denn es muss immer
schön straff sein und darf nicht durchhängen. Am
Armaturenbrett ist ein Knopf
angebracht, durch den man sich bei geeigneter Höhe ausklinken
kann. Dann hilft
uns nur noch der Wind und die Thermik weiter. Aber es ist ein ganz
besonderes
Erlebnis, so fast geräuschlos durch die Luft zu schweben wie
ein Adler. Nur das
leise, singende Geräusch des Windes, der die Flügel
und den Flugzeugrumpf
streift, ist noch zu hören. Ansonsten himmlische Stille! Etwas
Wunderbares. Mein
Pilot ist ein geschickter Flieger und weiss die gute Thermik
auszunützen. Wir
wenden die Nase Richtung Valle Maggia zu und fliegen dem sehr breiten,
steinigen und fast ausgetrockneten Flussbett entlang
talaufwärts. Vielleicht
sehen wir Gemsen, meinte Instruktor. Deshalb hielt er unseren Vogel
immer schön
dem Berghang entlang.
Doch aus dieser
Höhe ist es für einen Nichtjäger sehr
schwer, ein Tier auszumachen. Aber mir
genügte die herrliche und erhabene Aussicht auf Felsen,
Wiesen, Wälder und
Alpweiden mit ihren kleinen, fast unscheinbaren an den steilen Berghang
geduckten Stallgebäuden. Doch der Aufwind genügte
nicht mehr und das Tal wurde
immer enger und schmäler und die wuchtigen Felswände
kamen uns immer näher und
näher, so dass Umkehren angesagt war. Vorsichtig wendete mein
Pilot das Flugzeug
und nun schwebten wir talwärts. Dadurch, dass es jetzt nur
noch abwärts ging,
nahmen wir auch mehr Geschwindigkeit auf. Das Geräusch des
über die Tragflächen
strömenden Windes verstärkte sich zeitweise zu einem
Heulen und Zischen. Ganz
ungewohnte Geräusche für einen "Motorflugpilot!" Der
Flugplatz
kommt in Sicht und wir flogen in den Landeanflug. Schnell, viel
schneller als mit
einem motorisierten Flugzeug ging es dem Boden zu. Schier bekam ich
Angst, wir
schafften es nicht mehr bis wenigstens zum Pistenanfang. Aber kein
Problem,.mein Meister zeigte perfekte Routine und schafft es fast
milimetergenau. Dann setzten die Kufen des Seglers sehr
geräuschvoll, kratzend und
schabend auf der Graspiste auf. Die Erde hatte uns wieder. Segelfliegen
finde ich sehr viel schöner als der
motorisierte Flug. Zwar ist man von Wind und Thermik abhängig.
Aber ist es
nicht gerade das, was das echte Fliegen ausmacht? Das setzt wirkliche
fliegerische Kenntnisse und Können voraus und viel, sehr viel
Praxis,
um all die Möglichkeiten
kennen zu lernen, um ein motorloses Flugzeug am Fliegen und Steigen zu
halten.
Der Profi sucht sich die Aufwinde und nützt dieselben zum
Steigen
aus. Hat man
Glück, zieht es einem wie mit einem Lift hinauf. Aber eben so
schnell geht es
auch abwärts, fällt man in eine Abwindzone hinein.
Dann
beginnt die
verzweifelte Suche nach dem Ausgang aus
diesem Schlauch, was aber immer mit einem enormen
Höhenverlust bezahlt
werden muss. Doch der kundige Flieger findet bald eine Aufwindzone und
gewinnt
die verlorene Höhe zurück. Grosse Meister sind die,
die weite Strecken
zurücklegen, immer die Vorteile der Aufwärtsthermik ausnützend. Hier zur Abwechslung
einen Witz: Die Radiotelefonie Die
Radiotelefonie oder auch Bordfunk genannt
erlernten wir im gleichen heissen
Barackenzimmer wie die Flugtheorie. Wir übten trocken, das heisst, jeder
hatte ein Blatt Papier und Bleistift vor sich und einen
Kopfhörer,
der mit dem des Lehrers verbunden war. Da wir alle
zusammengehängt
waren, konnten wir
natürlich auch alle mithören, was ein
Schüler meldete.
Die Regel war jedoch,
dass, wenn einer ins Mikrofon sprach,die andern zu schweigen hatten.
Das wiederum
bedingte, dass man seine Meldung möglichst kurz hielt. Das also ersetzte den
Bordfunk. Der Lehrer, wie üblich vorne und
vor der schwarzen Wandtafel sitzend, fungierte als Tower, also die
Flugleitzentrale. Das Ganze wickelte sich wie echt auf einem Flugplatz
ab. Ein
Beispiel: Ich fliege mit meiner Cessna 150 den Flugplatz Locarno an. Ich
melde
auf Radiofrequenz 118.45 für Aerodrome Locarno an
Tower Locarno, good morning. This is Cessna
Oskar-Tango-Eco
(OTE.) Nun bekomme ich
umgehend Antwort, die etwa so lautet:Good mornig, this ist
Flightcontroll
Locarno. Nun frägt er meine augenblickliche Position ab und
gibt
mir eine
Nummer. Also die Nummer 1, wenn nur gerade ich im Anflug bin. Kurz vor
dem Beidrehen auf die Pistenachse melde ich mich erneut, dass ich
bereit zur Landung
sei. Dies wird vom Towercontrol bestätigt und ich bekomme die
Landeerlaubnis
auf die vorgegebene Rollbahn. Da wir uns aber in einer
"Trockenübung"
im Theorielokal befinden, bin ich aber nun vielleicht die Nummer 5 oder
3, da wir ja
mehrere Kursteilnehmer sind. Oft ruft der Instruktor auch ein Flieger
an mit
seiner Immartikulationsnummer. Jedes Flugzeug hat so eine
Kurzbezeichnung mit drei
Buchstaben. So sind zum Beispiel A = Alfa, B = Bravo, C wäre
Charli, D steht
für Delta usw. Besonderheit: Das Militär verwendet
bei ihren
Flugzeugen Zahlen
und keine Buchstaben. Diese
Theriestunden waren sehr kurzweilig, aber auch anstrengend, weil man
sich sehr konzentrieren muss. Und vor allem, zu diesem
Radiotelefoniekurs kamen Teilnehmer aus der ganzen Schweiz, aus
Deutschland und
auch dem nahen Italien. Zum Prüfungstermin reisten extra zwei
Experten des
Bundesamtes aus Bern an. Zwei ältere, jovale Herren. Oh, die
kommen sehr gerne in
den Tessin, meinte der Schuldirektor. Die geniessen die
südliche
Atmosphäre mit
seinem milden mediterranen Klima und dem guten Essen und Trinken. Das
glaubte wir ihm dann auch
ohne weiteres,
denn die Herren kamen noch ein zweites Mal - wir alle, mit Ausnahme der
beiden
Deutschen mussten nämlich die Prüfung wiederholen.
Mir zum
Beispiel wurde
beschieden, dass mein Englisch noch sehr verbesserungswürdig
sei.
Dabei arbeitete
ich ein ganzes Jahr in England, in London und auch in meinem
Berufsleben
gehörte Englisch eine längere Zeit zu meiner
täglichen
Umgangssprache. Es gab also für uns nochmals drei
Wochen
"Nachhilfestunden". Beim zweiten Anlauf schafften wir es dann
alle. Wir durften den internationalen Radiotelegrafie Ausweis
in Empfang nehmen. Aber
derweil flog ich schöne Wellen
und vollführte beängstigende Rucker
und Schwenker nach links und nach rechts. Kein Wunder fragten die mich
vom
Kontrollturm ob ich Trouble (Probleme) habe? Klar doch, wie sollte ich
den Vogel
schön in der
Waagrechten halten, wenn
ich damit beschäftigt war, dieses dumme Fensterchen zu
schliessen? Alles ok, meldete ich erleichtert nach unten und meldete
mich ab. Nächstes Ziel war nun also Sion, die Flugroute. Nun also konnte ich meinen Weg ins Wallis unter die Flügel nehmen. Die vorgesehene Route war nach Flugplan: Zurück über den Monte Ceneri, die Magadino Ebene hinauf nach Bellinzona, von dort die Riviera bis Biasca und die Leventina hinauf. Vor dem Gotthard drehte ich nach links, das enge aber sehr schöne Val Bedretto entlang in Richtung des Nufenenpasses. Hier erreicht man auch die Maximalhöhe der gesamten Flugstreke (3000m/ü.M???). Nun geht es hinunter in die Rhoneebene und Sion zu. Noch zu erwähnen wären die vielen Militäflugplätze auf der Strecke und diverse Stauseen mit ihren Staumauern. Aber ich fühlte mich trotz der imposannten Aussicht auch ziemlich alleine und verlassen in meinem Cockpit. Es war uns untersagt worden, miteinander Gespräche zu führen, um den Funk freizuhalten für dringliche Meldungen. Auch unser Experte, Hans (Herr Huber) flog mit und überwachte uns Prüflinge aus seiner Maschine, so dass keiner aus der Kolonne flog und verloren ging. Das Rhonetal war faszinierend. Es wurde immer
breiter und breiter. Das Wetter war auch auf dieser Seite
schön und klar.
Irgendwie kam es mir viel wuchtiger vor als die Tessinertäler.
Die waren viel
schmaler und die Berghänge stiegen viel abrupter auf als hier
im Wallis.
Endlich kam Sion in Sicht mit seiner mächtigen Burg
Tourbillon. Es sah so aus,
als würde sie mitten im Städtchen thronen. Ein
wirklich fantastischer Anblick von weitem und aus dieser
Höhe. Und dann erst die Landebahn! Unglaublich lang und breit
lag sie nun vor
mir. Besorgt suchte ich nach diesem
"berühmt-berüchtigten Fangnetz"
am Ende der Piste. Vor dem hatte uns Hans im Briefing vor dem Abflug
gewarnt.
Sion ist ein militärischer Flugplatz und wird von modernen
Kampfflugzeugen angeflogen.
Da diese mit grosser Geschwindigkeit landen, besteht die Gefahr, dass
sie über
das Pistenende hinausrollen. Um das zu verhindern, hat man solche
"Fangnetzte" angebracht. Bei
Nichtgebrauch aber werden diese zu Boden gelassen, bleiben
aber doch für ein
Flugzeug eine etwelche Gefahr. Also, ich
kam mir schon recht verloren vor auf dieser
Riesenpiste. Soviel Beton rund um's Flugzeug war ich nicht
gewohnt. Nachdem ich eine "Bilderbuchlandung"
vollführt
hatte, reihte ich meinen Vogel auf dem Parkplatz neben den andern
Fliegern ein.
Meine Kollegen sassen schon alle auf der Terrasse des Restaurants und
begrüssten mich fröhlich. Nur der Brasilianer fehlte
noch in unserer Sammlung.
Der war hier noch nicht eingetroffen. Na, hoffentlich hat sich
der nicht in den
schönen Walliserbergen verflogen? Nein, da kam er angeflogen.
Eine recht
ordentliche Landung legte er hin und rollte auf den Parkplatz und
stellte dort
seine Bravo ab.
Nur, der Vogel stand so ziemlich schief da im Parkfeld. Vom
langen Flug etwas staubig geworden, schwang er seine überlangen
Beine aus der
Kabine und schwankte in seiner komischen Gangart auf uns zu. Hallo,
brüllte er
schon aus der Ferne und ruderte mit seinen langen Armen. Doch,
der Prüfungsexperte schickte ihn ganz ungnädig wieder
zurück. Hast du das
Abstellen des Flugzeuges so gelernt an unserer Schule, fragte er den
Kandidaten
streng? Geh und stelle die Maschine ordentlich ab, wie sich das
für einen
wohlerzogenen Piloten des Aerocentroticino-Piloten gehört. Zerknirscht kam er der
Auforderung des
Experten nach. Wir bestellten uns ein Menu, denn es war ja schon
Mittagszeit. Wir
alle sassen vor unserem Teller am gleichen Tisch. Da bemerkte
der
lange Brasilianer ein kleines Würmchen in meinem Salat und
schrie los; du hast einen Wurm im Salat und der lebt erst noch! Oh,wie ich mich
schämte, hatte ich doch
versucht, dieses Tierchen unter einem Salatblatt zu verstecken. Aber
nein,
dieser Kerl musste es im ganzen Restaurant ausposaunen. Als meine Maschine in die Luft kam, hatte ich noch immer hunderte von Metern Piste vor mir. Ganz anders als auf unseren "kurzen" Start- und Landebahnen die wir uns von unseren Aeroports gewohnt sind. Wieder flog ich das unendlich lang scheinende Rhonetal hinauf in Richtung Nufenenpass. St. Niklausen kommt in Sicht. Auch hier unten ist eine Flugpiste zu sehen. Sie ist schon ziemlich eingeklemmt zwischen den wuchtigen Berghängen. Nun rechts abdrehen und den Nufenenpass anfliegen. Unglaublich steil und kurvig windet sich die Strasse den Berghang hinauf. Alles sieht so klein und munzig aus. Immerhin liegt der Passübergang auf 2.... Meter über Meer. Nun bin ich drüben und schon fast wieder auf heimatlichem Boden. Nach Plan soll es jetzt über die Cristallina gehen. Ich suche die Lücke, die rechter Hand liegen soll. doch ich sehe sie nicht. Wo ist die denn geblieben? Beim Hinflug habe ich sie doch so deutlich und klar auf der linken Talseite gesehen. Nun ist sie auf einmal nicht mehr da. Ich suche aufmerksam die Gegend ab. Nichts zu sehen von einem möglichen Übergang auf die südliche Seite. Da uns eingebläut worden ist,immer
und immer wieder, fliegt nie
in die Wolken hinein, fliegt nie ohne genügende Sichtweite,
geht mir das jetzt wieder
durch den Kopf, so als sässe
ich im Theorielokal und vorne doziert der Instruktor. Also fliege ich
weiter geradeaus das Bedrettotal hinunter in Richtung Leventina. Ich
konnte
mir nun vorstellen, wie die andern hinter mir werweissten und sich
überlegten,
warum der Franz jetzt nicht rechts abbiegt und der Cristallina zufliegt
wie es
nach Flugplan vorgesehen war. Doch ich wusste, nur so auf gut
Glück gegen den
Übergang nach Süden zu fliegen wäre wider
die von uns so eingehend gelernten
Regeln. Da mir schien, dass auch die andern zu demselben Resultat
kommen
mussten, meldete ich auch nichts über das Radio. Das war
ohnehin nur in einem
Notfall erlaubt. Und natürlich dachte ich und war
überzeugt davon, dass die andern dies gleich beurteilten wie
ich. Als
wir dann alle in Locarno/Magadino glücklich und
wohlbehalten gelandet waren, rühmte mich der
Prüfungsexperte,
dass ich so
richtig gehandelt habe, obwohl er als Praktiker natürlich
gleichwohl über die Cristallina geflogen wäre. Ganz
bestimmt
hätte nur eine Wolkenbank die Sicht
auf den Übergang versperrt und dahinter wäre wieder
freie
Sicht gewesen. Na ja,
so passieren eben die Unfälle in den Bergen. "Cummulus
granitus"
wir
das in der Fliegerei genannt, wenn man wegen Sichtmangel einen Berg
rammt. Und unser langer Brasilianer? Der bestand zu seiner (und auch zur unseren) Enttäuschung die Prüfung nicht. Zuviele Fehler waren ihm unterlaufen. So beachtete er das Rotlicht der Pistenwache nicht. Denn, wenn das Militär fliegt, ist zusätzlich zum Tower auch noch am Boden ein Lotse mit einer Signallampe als mobile Überwachung eingeteilt. Nun wollte unser Brasilianer, nachdem er vom Turm die Rollerlaubnis erhalten hatte, auf die Startpiste rollen. Doch der Pistenwart gab ihm die Fahrt nicht frei und signalisierte das mit dem Rotlicht. Schier unglaublich, aber der Pechvogel schien weder die Wache noch das Rotlicht wahrzunehmen und rollte weiter auf die Startlinie zu und ein weiterer grober Fehler unterlief ihm nun; er startete auch noch gleich durch und weg war er. Dass er einem anfliegendem Flugzeug den Weg zur Landung abschnitt, kümmerte ihn nicht. Des weiteren flog er die ganze Strecke ohne Radio. Weiter vergass er, zuerst den Flugplatz Lugano/Agno anzufliegen. Er flog direkt los in Richtung Bellinzona und Leventina. Diese Fehler kosteten ihm den Ausweis. Zum
Trost
kaufte er sich noch gleichentags in Magadino ein nigelnagelneues,
rassiges
Motorboot zu dem er uns alle auch gleich zur einer Probefahrt auf dem
See
einlud. Eie Bewilligung hatte er zwar nicht, denn diese Fahrt ging noch
unter
"Probefahrt." Er drehte sein Boot in Richtung der Bolle Magadino, was
ja
eigentlich verboten war, denn das ist Naturschutzgebiet. Doch das
scherte den
stolzen Bootsbesitzer nicht im geringsten und er fuhr schnurstracks in
einen
dieser Seitenarme des Flusses Ticino und Verzasca rein. Es dauerte auch
nicht lange, bis wir im dichten Schilf und Schlick stecken
blieben. Nun hiess es
aussteigen, Schuhe ausziehen, Hosenbeine hochkrempeln und ins
schwarzbraune
Wasser steigen. Oh, grauslich, bis zu den Knien sanken wir im weichen
Boden ein.
Mit vereinten Kräften brachten wir das Boot dank der
Gewichtserleichterung wieder flott. Zufrieden drückte unser
stolzer Bootskapitän den
Anlasser und zurück ging die Fahrt direkt in den kleinen Hafen
des Bootsverkäufers. Ich kam
auch gut in die Luft und solange ich schön in
Seemitte flog, gab es keine Probleme. Meine vorgesehene Route war
Richtung
Brissagoinseln. Dann nach links über Luino nach Lugano. Damals
war das noch
möglich. Später wurde ja Lugano/Agno zu einem
Verklehrsflugplatz und das freie
Überfliegen war nicht mehr erlaubt.Von Lugano ging es weiter
Richtung Monte
Ceneri zu. Doch je näher ich diesem Passübergang von
Sottoceneri in den
Sopraceneri kam,desto mehr stellte sich mir der steife Wind entgegen.
Schliesslich verstärkte sich der Widerstand zu einer
unüberwindlichen Barriere,
so dass mir nichts anderes übrigblieb, als den
Rückzug anzutreten. Nun nahm mich
wunder, wie die Bravo bei so einer 180 Grad Wendung bei sehr starkem
Wind reagierte.
Die Cessna blies es ja gleich fort wie ein Blatt vom Baum.
Zögerlich leitete ich
also die Wendung ein. Ganz sachte sachte drehte ich die Flugzeugnase
vom Weg
und setzte mich nun mit der Querseite voll der starken
Windströmung aus.Doch
nichts geschah! Ruhig lag der Flieger in der Luft als ob
überhaupt nichts
besonderes los sei. Meine Überraschung war gross. Ein wirklich
ideales
Flugzeug. Um die Stabilität eines Flugzeuges zu testen gibt es folgende Übung; das Gas wird zurückgenommen bis die Maschine soviel an Geschwindigkeit verliert, dass sie in den gefürchteten Stall geht. Stall ist die Bezeichnung für Strömungsabriss. Das wiederum bedeutet, dass die Maschine "abschmiert."Dann nämlich lässt sie sich nicht mehr lenken und beginnt zu fallen. Ausser, dass das ein ganz eckliges Gefühl im Magen gibt, ist es auch sonst höchst unangenehm wegen den sehr brüsken und unberechenbaren Bewegungen, die das Flugzeug nun ausführt. Und da reagiert jeder Flugzeugtyp anders. Die Cessna zum Beispiel bricht über den Flügeln ab. Fängt sich wieder auf und bricht von neuem wiederum über die Tragfläche ab. Die Bravo hingegen taucht einfach mit der Nase nach unten weg, fängt sich wieder und wiederholt dieselbe Bewegung wieder und wieder bis sie vom Pilot abgefangen wird. Das geschieht mittels Gasgeben und sachte am Steuerhorn bezw. Horn ziehen. Und nicht vergessen: Vergaservorwärmung rein, denn der Vergaser könnte durch das schnelle Abtauchen vereist sein. So, nun fliegt die Flugi wieder ganz normal.
Während der
Ausbildung hatten wir auch eine Spirale zu fliegen geübt. Das
geht so; indem
man das Gas fast völlig wegnimmt, das Seitensteuer voll
einschlägt und mittels
Steuerhorn voll Gegensteuer gibt; die Flugzeugnase senkt sich dem Boden
zu und
beginnt auf engstem Raum abwärts zu kreisen. Diese Methode
wird dazu benützt um,
wenn man über einer geschlossenen Wolkendecke fliegt
(für Sichtflugpiloten
verboten!) ein Loch (das berühmte Loch "vom Dienst") gefunden
hat, wo
man die Erdoberfläche wieder sieht. Am Anfang sicher etwas
unangenehm,denn die
Maschine dreht sich ziemlich schnell und alles geht "z'ringelrum."
Ich las früher in Flugbüchern von den
berühmtberüchtigten Vrillen. Da diese mit
den alten Flugzeugen meist tödlich endeten, weil sie nicht
mehr in die
"Waagrechte" zu bringen waren, hatte ich schon einen gewissen Respekt
vor dieser Übung. Vorsicht war aber auch geboten; die Flaps
mussten voll
eingefahren sein, Vergaservorwärmung eingeschaltet und
natürlich, aber das
sollte ja selbstverständlich sein, der Pilot
vorschriftsgemäss
angeschnallt! Dann werden einige Umdrehungen vollzogen um dann die
Maschine
wieder sacht aufzufangen und in den Horizontalflug
überzuigehen. Ehrlich
gesagt; ich brachte das nie so perfekt zustande. Mein Instruktor rief
dann
jeweils per Radio hinauf: Franz, du sollst eine Schraube
vorführen und nicht
einen Alpenrundflug. Recht hatte er. Aber ich denke im Notfall, das
heisst,wenn ich
einmal - was natürlich nie
vorkommen dürfte - in eine geschlossene Wolkendecke geraten
würde, ohne
weiteres eine perfekte Schraube vollbracht hätte. Reiner
Lebenserhaltungstrieb. Das
Dörfchen
liegt zwar nicht weit, aber wenn man die Zeit für das Flugzeug
in Minuten
bezahlen muss, dann wird es halt gleich einmal teuer. Also begibt man
sich
alsbald wieder in die Luft. Eine Besonderheit dieses hochgelegen
Flugplatz ist
noch die; kommt man vom Chiavenna her, dann folgt auch gleich der
Malojapass.
Und gleich dahinter und fast auf gleicher Höhe liegt der
Flugplatz. Meistens ist
man also viel zu hoch und muss daher erst einmal nach der erhaltenen
Landeerlaubnis Höhe verlieren. Für die allermeisten
Piloten eine ganz grosse
Besonderheit! Umgekehrt dann beim Wegfliegen von Samedan. Da rollt man
beim
Start bereits auf dem "Fluglevel," das heisst, um nach Lugano
zurückzufliegen, braucht man gar keine Höhe zu
gewinnen,. die hat man ja schon auf
1800 Meter. Also fliegt man gleich nach dem Start einfach auf gleicher
Höhe
weiter. Im Winter komm so der Motor gar nie auf seine richtige
Betriebswärme.
Auch, und das soll der verehrte Reisende mit einkalkulieren: auf dem
Rückflug
nach Lugano oder Locarno heizt sich die Kabine nicht auf und es bleibt
fast so
kalt wie oben im Engadin. Aber auch
im Winter sind Flüge ins Engadin eine wunderschöne,
wenn auch eiskalte Reise! Eines Tages im Winter machten ein Kollege und
ich einen
Flug nach Samedan. Längs der Piste meterhohe
Schneewände und ein sehr reger
Betrieb. Samedan wird auch von Jet's angeflogen und so kam es, dass wir
gerade Landeerlaubnis erhielten unter der Voraussetzung, das wir uns
auch wirklich
beeilten. Das ist gut so und ich landete ,setzte auf der schwarzen
Aspaltpiste
auf und verschwand in diesen Schneemauern. Die erste Ausfahrt erwischte
ich
gerade noch, als hinter uns bereits ein Jet vorbeiflitzte. Das war so
ziemlich
knapp gewesen. Was wenn ich mit einem Flügel eine Schneewand
gekratzt hätte?
Nachträglich lief mir ein leiser Schauer über den
Rücken. Wenn die dort oben
immer so knapp rechnen......... Da wir
privat in Samaden waren, konnten wir die Maschine
ruhig auf dem Parking stehen lassen und uns etwas in der
klirrend kalten
Höhenluft vergnügen. Mein Kollege wollte den guten
Schnee zum Skilanglaufen
benützen und ich mir einmal das Dörfchen genauer
ansehen. Ein wirklich
schmuckes Örtchen ist es, bei dem es sich lohnt, hier einige
Zeit zu verbringen.
Nach drei Stunden trafen wir uns wieder beim Flugzeug und wollten
heimwärts
fliegen. Wollten schon , nur konnten wir das nicht! Der liebe und sonst
so
zuverlässige Motor startete nicht. Solch ein Pech! Da mussten
wir wohl die
Hilfe eines Mechanikers in Anspruch nehmen. Unsere "Bravo" wurde also zu einer
Werkstatt eines Hangars
gezogen und durch Aufwärmen des zu
kalten Motor mittels einer Wärmehaube in der ein
Warmluftgebläse wirkte,
versuchte ein Mechaniker, den kälteerstarrten Motor wieder zum
Leben zu
erwecken. Es gelang nicht. Ratlos standen wir um die
Maschine.Inzwischen begann
es bereits einzunachten und wir kamen in Zeitnot. Eine
Nachtflugbewilligung
hatte ich nicht. Doch die hätte ich jetzt wohl sehr gut
gebrauchen können. Wie
ein rettender Engel kam die Signora Malè daher, sehr zu
meiner grossen
Überraschung! Sie war es doch, die mir die Tricks und Kniffe
im Hochalpenflug
beigebracht hatte, nur diesen nicht, einen Motor wieder in Gang zu
bringen, der
in der winterlichen Kälte des Engadins erfroren zu sein
scheint. Sofort sah
und erkannte sie unser Problem. Und sie schien
auch zu wissen warum und was man dagegen tun kann. Doch den Trick hat
sie mir nie
verraten. Aber sie setzte sich auf den Pilotensitz, drehte den
Zündschllüssel
und schon schnurrte der Motor los. Es geschehen noch Wunder glaubte ich
in
diesem Moment. Sie übergab mir die "Bravo" mit laufendem Motor
und
so konnten wir uns noch im allerletzten Moment auf den Heimweg machen. Obwohl wir
erst nach der Sunsethour (späteste mögliche
Landezeit auf einem Flugplatz) landeten,
sagte nie jemand etwas. Es war ja auch niemand mehr auf dem
Kontrollturm oben und
das rote Licht brannte auch schon auf dem Turmdach. Das hätte
eigentlich
"Piste geschlossen" bedeutet. Wie
üblich flog ich über den Mte. Ceneri und schwenkte
dann
in Richtung Veltlin über Chiavenna, ich bemerkte nichts
besonderes und der
Flug verlief bis anhin völlig ruhig. Doch das Ampimeter
(Lufdruckmesser, der
auch die Flughöhe angibt)
war ganz
plötzlich auf dem Anschlag. Die Fahrt geht demnach nach unten.
Abwärts wie in
einem Lift. Einem sehr schnell fahrenden Lift sogar. Ehrlich gesagt;
ich lernte
das Staunen wieder von neuem! Fasziniert starre ich aus dem
Seitenfensterchen,was ich sah, konnte ich vorerst nicht verstehen. So
etwas
erlebte ich bisher noch nie! Chiavenna vergrösserte sich unter
mir wie ein noch
flüssiger Pfannkuchen, der sich immer schneller ausdehnte. Doch
endlich kommt die
Reaktion und ich besinne mich darauf, nun schnellstens zu reagieren.
Noch habe
ich einige Meter,vielleicht waren es 200 oder auch 250 Meter unter
meinen
Tragflächen, aber es wird höchste Zeit, diese
Abwärtsfahrt zu unterbrechen, wenn
ich mich nicht auf die Dächer dieses hübschen
Städtchen setzen will. Das
gelingt mir auch, Nase herunter, Gas voll rein und nichts wie weg aus
diesem Sog.
Natürlich kann ich jetzt meinen Flug nach Samedan vergessen.
Zu tief bin ich
jetzt, als dass ich noch hätte über den Maloja kommen
können. Dazu müsste ich
wieder gegen Lugano fliegen, um erneut an Höhe zu gewinnen.
Auch so muss
ich in den Steigflug übergehen, denn nicht einmal mehr die
vorgeschriebene
Mindesthöhe über Grund habe ich. Die Strecke führt also über das Linthtal in das Rheintal hinauf bis nach Thusis. Doch irgendwann,anstatt bis zum Hinterrhein zu fliegen, bedeutete mir Nelly nun rechts abzubiegen und dem vermeintlichen Hinterrhein entlang zu fliegen. Alsbald kam mir die Strecke höchst merkwürdig vor. Das konnte doch nicht der Hinterrhein sein? Doch Nelly beharrte auf ihrer Meinung und so flog ich halt nach der von ihr angegebenen Route weiter. Doch bald stellte ich fest, dass wir uns verflogen haben. Und zwar gründlich. Mir war nun die Gegend völlig unbekannt und ich wusste nicht mehr, wo ich mich befand. Derweil kam auch Nelly zu dieser Ansicht. Also begannen wir beide, nach uns bekannten Punkten Ausschau zu halten. Da war also das immer enger werdende Tal das vom Rhein nach Sargans (Burg) rechts abzweigte und dem wir nun folgten. Unten ein Fluss, schmal und grau. Steile Berghänge links und rechts. Dem Flusslauf entlang einige kleine Dörfchen und grüne Felder und Matten. Vorsichtig stieg ich mit unserer Maschine höher und höher, nicht
nur, dass es mehr Sicherheit gab für uns, denn auch hier
gilt die Regel - je höher desto sicherer -. Und da wir ja
schon nicht wussten, wo
und in welchem Tal wir uns befanden, hat diese Regel volle
Gültigkeit. Und mit
meinen Gedanken war ich schon dabei, mir das mögliche
Gespräch mit der Flugüberwachung
Zürich auszudenken. Denn, das ist die letzte Hoffnung
für einen
"verlorenen" Pilot.
Ich werde
die Frequenz von Zürich Airport Aircontrol anrufen und
fragen, wo ich mich
befinde. Mittels Radar können diese uns ausfindig machen, falls
wir hoch genug
fliegen und uns unseren Standort angeben. Doch dann, welche Freude,
erkenne
ich tief unter mir
das Kloster
Disentis mit seinen charakteristischen Türmen und Bauwerk.
Dann das mir bekannte Dorf
Disentis und bald auch die Lukmanier-Passstrasse die in in das Bleniotal ? führt
und somit in den Tessin. Welche Erleichterung! Nun kenne ich mich
wieder aus.
Nelly kann ich aber wohl ein schönes Kompliment machen.
Sie,als gute und
routinierte Kartenleserin hätte mich nicht so irrleiten
dürfen. Aber das war
dann noch nicht alles: Ihr versprochener Anteil an die Flugkosten habe
ich noch
bis heute nicht erhalten. Und dabei waren wir gute drei Stunden in der
Luft. Sehr bald waren wir total eingenebelt und konnten uns nur noch mit stetigem Steigen etwas freie Sicht erhalten und vermeiden, von allen Seiten eingenebelt zu werden. Doch schliesslich hatten wir überhaupt keine Bodensicht mehr. Und da wir beide nur über eine "Schönwetter Liszenz" verfügten, war uns das von Gesetzes wegen nicht erlaubt. Aber das machte dem übermütigen Jack nichts aus.Im Gegenteil; er erklärte mir nun, was da unter dem Nebel lag. Ich sah rein gar nichts und hatte ein recht unbehagliches Gefühl. Eine Weile darnach meinte Jack,jetzt müssten wir eigentlich schon über Milano fliegen. Was? Über Milanno? Der Kerl ist ja wohl übergeschnappt? Milano hat zwei grosse, ja sehr grosse Flugplätze sogar und noch einen kleineren, der aber weit ausserhalb Milano lag. Aber Jack, du bist wohl total übergeschnappt! Wir können, dürfen und sollten nicht über internationalen Flugplätzen fliegen. Und ohne Radioverbindung sowieso nicht. Auf gar keinen Fall. Wenn die uns da unten sehen, was dann? Werden die einen Jäger zu uns einsamen Nebelwandern schicken und uns vom Himmel herunterholen? Mir wurde es echt mulmig. Ich verfluchte innerlich meine dumme Nachgiebigkeit. Ich hätte
Jack's Plan
einfach nicht zustimmen dürfen. Ich kannte und respektierte
doch die
Flugregeln. Und Flugregeln dienen vor allem dem Flieger und nicht dem
Luffahrtsamt! Aber nun ist es zu spät, über das Wenn
und Aber nachzudenken.
Jetzt war schnelles und wohlüberlegtes und kühles
Handeln angesagt. Ich hielt
nun stark nach Norden, wohl wissend, dass das der einzige
vernünftige Ausweg ist,
um vom Milaneser Himmel und seinen beiden Flughäfen
wegzukommen, die wir mit
unserer unerlaubten Anwesenheit gefährdeten. Doch dann, der
Himmel hatte ein
gutes und gnädiges Einsehen mit uns! Die Sicht wurde zusehends
besser und am nördlichen Horizont konnte ich ganz
schwach weisse Bergspitzen
ausmachen.Mir wurde zusehends leichter ums Herz! Und als ich auch noch
Chiasso
und die vielen gebündelten, schwarzen
Eisenbahngeleise und langestreckten Schuppen und das
graue Band der Autobahn
unter uns sah, wusste ich wieder wo wir uns befanden. Endlich, und
niemand
schien uns im verbotenen Flugbereich bemerkt zu haben!
von Franz Manser, 2004 (Copyright) * * * |