DIE
MAUS
Heut ist die Maus erfreulich - doch
früher war sie greulich.
Sie war oft eine Plage für unsrer
Väter Tage!
Sie führt zurück in dieser Gschicht -
zu einer <Zwanzger Jahre> Sicht,
als alles noch ganz anders lief -
manchmal ganz gut, doch manchmal schief!
Heute
wurde ich geradezu den ganzen Tag von Mäusen verfolgt. Gleich nach dem
Frühstück schaltete ich den Computer an und fuhr ihn hoch, denn meinen
ersten, neugierigen Blick muss ich in den Mail-Posteingang werfen. Ich freue
mich immer über die interessanten oder lustigen, und manchmal auch faden
Beiträge in den Mailinglisten. Aber gespannt bin ich, ob auch private Post für
mich dabei ist. Da meine Verwandtschaft nur noch aus zwei Cousins besteht,
wobei der eine mit seiner Familie schon seit über vierzig Jahren in Amerika
wohnt und auch längst Bürger jenes Landes geworden ist, bin ich sehr froh,
durch dieses moderne Kommunikationsmittel so etwas wie
Familiengemeinschaft pflegen zu können. Er ist der letzte direkte
Angehörige aus meiner Familie väterlicherseits. Der andere Cousin gehört der
mütterlichen Linie an. Aber da er als Junggeselle ganz allein einen
Bauernhof bewirtschaftet, und zwar in einem der abgelegensten Winkeln der
Schweiz , hat er wenig Lust und auch wenig Zeit, sich mit Schreiben zu
beschäftigen. Wenn er es vorzieht, anstatt zu telefonieren, mich zu besuchen,
ist er sogar schneller in der Stadt wenn er durch französisches Gebiet fährt.
So kann er sich einen längeren Umweg ersparen, den er machen müsste, wollte er
innert der Landesgrenze bleiben. Aber meist genügt ein Anruf, ziemlich spät
abends wenn seine Tiere versorgt und zufrieden im Stall sind, um die familiäre
Bindung nicht abreissen zu lassen.
Nun,
heute Morgen ärgerte ich mich als erstes einmal über die Maus. Am Computer.
Deren Zeiger zitterte beständig hin und her, flackerte, rutschte unkontrolliert
über die Zeichen und Symbole weg. Kein gutes Omen, dachte ich bei mir, wenn das
so ist, dann gibt es damit sicher bald Ärger. Private Post war für mich auch
keine da, also stellte ich die Maschine ab und widmete mich stattdessen der
Tageszeitung. Und gegen Mittag telefonierte ich mit einem Bekannten, der auch
gerne und oft am Computer sitzt. Mit freudiger Stimme teilte er mir mit, er
habe sich jetzt endlich eine kabellose Maus für seinen PC geleistet. Den
ständigen Ärger mit dem Nachziehen des Kabels sei er nun los. Seine Maus
funktioniere mit Batterien und Infrarot. Wie jedes Telefonat hatte auch
dieses ein Ende und mittlerweile war es Zeit geworden für unseren Mittagsimbiss.
Als
ich danach noch immer in der Küche war und mir überlegte, was wir heute
Nachmittag unternehmen könnten, ging die Haustürglocke, Draussen stand eine Nachbarin
aus einem der gegenüberliegenden Häuser. Sie streckte mir ein kleines, herziges
Fellmäuschen entgegen, mit langem dünnem Schwanz und überreicht es mir mit den
Worten: „Hier ist das Müsli, das ich Ihnen schon lange bringen wollte, seit
unserem Gespräch über Computer. Bei mir steht es doch nur herum und verstaubt,
und vielleicht findet es bei Ihnen ein Plätzchen auf dem PC!“ Und sie fragte
mich zugleich, ob ich ihr dann einmal, bei Gelegenheit zeigen würde, wie das so
funktioniere mit dem Internet. Gesehen habe sie das noch nie. Natürlich war ich
gerne bereit dazu. Sie würde mir dann Bescheid sagen, wann sie frei sei, sagte
sie noch, aber den angebotenen Kaffee lehnte sie ab. Sie habe es pressant, sei
schon fast zu spät dran, ein andermal gerne. Und schon war sie die paar Tritte
hinunter und rasch um die Strassenecke verschwunden.
Da
stand ich also mit dem Mäuslein und plötzlich musste ich herauslachen!
Was ist denn heute bloss los? Erst meine Maus, dann noch eine Maus, und
jetzt sogar eine dritte Maus!. Was das wohl zu bedeuten hatte? Ich ging ins
Wohnzimmer und kuschelte mich, Beine dicht unter mich gezogen, in meinen Sessel
beim Fenster, wo ich so schön hell hatte zum Lesen. Aber ich hatte keine Lust
dazu und liess das Buch liegen wo es war. Mir ging durch den Kopf, dass man
früher sagte, von Mäusen zu träumen bedeute Armut. Auaah! Was es wohl bedeuten
könnte, dreimal am gleichen Tag mit Mäusen, wenn auch keinen lebenden,
konfrontiert zu werden? Hoffentlich nicht, dass ich selber auch eine ganz
arme Kirchenmaus werden würde. Kaum, ich bin ja nicht reich, also was soll’s..
Mir kam der Kindervers in den Sinn der ungefähr so geht:
„Stille, stille, stille, der Pfarrer goht in d’Kille, und s’Müsli goht go
lose, und dr Pfarrer
macht in d’Hose!“
Dann
sah ich in Gedanken, nach vielen Jahren wieder, die Szene mit einer richtigen,
jedoch schon toten Maus. An einer langen Schnur baumelte sie, am
Terassengeläder hoch im fünften Stock, in einem grossen Doppelhaus. Fünf
Familien auf der rechten Seite, fünf Familien auf der linken Seite,
wohnten dort. Die meisten mit vielen Kindern . Nur im Parterre wohnte ein schon
betagtes Ehepaar, und dem gehörte das ganze Haus. Dessen Söhne und Töchter
hatten alle schon eigene Familien gegründet. Diese Wohnung im obersten Stock
war eine wirkliche Mansardenwohnung, mit relativ kleinen Fenstern und
Dachschrägen. Und immer wieder hörte man Klagen wegen der Mäuse. Sehen konnte
man sie zwar nur ausnahmsweise, wenn man nachts einmal in die Küche musste um
ein Glas Wasser zu holen oder sonst etwas. Ich selbst schlief ja dann fest,
aber Nonna erzählte immer wieder einmal, es sei eine Maus rasch verschwunden,
als sie in der Küche Licht gemacht habe. Und es bestätigte sich am Morgen, wenn
die kleinen Mauskegelchen irgendwo herumlagen. Wahrscheinlich kamen sie durch
die Abflussrohre, vermutete Papa.
Und
eines Tages kam Papa’s jüngerer Bruder, der die meiste Zeit nicht zu Hause war
weil er für eine Firma im Tessin als Vertreter arbeitete, mit einer Mausefalle
angerückt die er sofort in der Küche aufstellte. Ein komisches Ding, in welchem
die Mäuse gefangen wurden. Eine solche Falle habe ich nie wieder gesehen: es
ging zuerst über einen Steg steil hinauf und unten wartete ein mit Wasser
gefülltes Gefäss auf die arme Maus. Ich habe dieses Gerät nie richtig anschauen
können, es schauderte mich, und ich ging rasch daran vorbei, beide Augen ganz
fest zukneifend Die tote Maus hingegen tat mir leid, aber es grauste mir
nicht, wie vor der Falle. Da mein Onkel ein lustiger Mensch war, der immer
irgend etwas ausheckte um meine Nonna, seine Mutter, zu erschrecken, band er
die Maus kurzerhand mit dem Schwanz an eine Schnur und hängte sie an das
Terrassengeländer. Und mich zog es automatisch zu ihr hin, ich schaute sie mir
genau an. Jedoch Nonna wurde darüber sehr wütend und schimpfte meinen
Onkel aus, und als sie kurzerhand die Maus vom Geländer abschneiden wollte,
wehrte ich mich so heftig dagegen, dass sie nachgab. Mein Onkel hatte im Scherz
gesagt, sie sei für mich, und etwas, das er mir gegeben hatte, wollte ich nicht
hergeben. Wie und wann sie dann verschwand weiss ich nicht mehr. Zu der Zeit
war ich wirklich noch sehr klein, kaum älter als drei Jahre, und die ganze
Woche über nur mit Nonna zusammen.
Und
ausser dem venezianischen Dialekt, den ich mit Nonna sprechen gelernt hatte,
verstand ich nichts. Keine deutsche Sprache, keinen basler Dialekt, da Mama die
ersten paar Jahre nach der Heirat auch mitverdiente. Sie musste am Morgen sehr
früh aus dem Haus und kam am Abend ziemlich spät von der Arbeit zurück. Und in
der spärlichen freien Zeit musste sie auch noch die schwereren Hausarbeiten
erledigen, zum Beispiel waschen und die getürmt hohen Zuber voller nasser
Wäsche vom Keller auf den Estrich tragen, wo man die schweren Laken und all die
übrigen Stücke zum Trocknen aufhängen konnte. Das waren mit dem Keller
sechs Stockwerke. Nonna hätte das nie machen können. Sie war ziemlich klein und
sehr dick und hatte Schmerzen in den Beinen. Es war für sie schon sehr mühsam
auch nur einmal schnell all die Treppen wieder hinaufzusteigen, wenn es nötig
wurde, tagsüber eine vergessene Besorgung nachzuholen. Wenn Mama abends müde
von der Arbeit nach Hause kam, konnte sie sich immerhin sofort setzen, denn
dann war auch mein Vater schon da und Nonna hatte bereits gekocht, da für
Mama die Zeit nicht gereicht hätte. Die Arbeitsszeiten in den Fabriken
waren damals sehr lang. Um sieben Uhr hörte man schon die Fabriksirenen
heulen. Um zwölf Uhr konnte die Belegschaft eine stündige Pause machen, die von
fast allen dazu benutzt werden musste, das mitgenommene Essen zu verzehren. Nur
vereinzelt hatte jemand ein Fahrrad, mit dem er in dieser kurzen Pause schnell
nach Hause radeln konnte. Im Winter verzehrte man das Essen aus dem Essenträger
am Arbeitsplatz selbst, in der besseren Jahreszeit gingen die meisten ins
Freie, um auch etwas frische Luft zu schöpfen. Dann musste die Arbeit wieder
aufgenommen werden – auch hier wieder Sirenengeheul – das man, je nachdem woher
der Wind wehte, bis in unser Wohnquartier hörte. Und Feierabend war um sieben
Uhr. Es gab auch keinen freien Samstag Nachmittag, die Arbeit dauerte da, als
grosse Erleichterung wie die Fabrikherren meinten, nur bis fünf Uhr.
Früher
beschäftigten die Fabriken in Basel sehr viele Frauen, denn hier waren unter
anderem die bekannten Seidenbandfabriken angesiedelt.. Und da waren
fleissige und flinke Frauenhände sehr gefragt. Die Basler Seidenbänder wurden
überall hin verschickt. Die Damen-Mode, speziell die Hutmode, kam ohne Seiden-
und andere Bänder kaum aus. Und daher florierten diese Fabriken. Und daneben
gab es noch Heimarbeit für sehr viele Familien in den umliegenden Ortschaften
des Baselbietes. Die vielen kleinen Bauernbetriebe warfen nicht genug ab, um
eine mehrköpfige Familie durchzubringen, und so stand in sehr vielen
Bauernstuben auch noch ein Webstuhl. Dort wurden, sogar oft auch von Männern,
ebenfalls beliebte und gut verkäufliche Stoffe und Bänder gewoben, aus
schwereren Garnen. Diese Heimarbeiter wurden Posamenter genannt, so wie die
ganze Bänderherstellung als Posamenten bezeichnet wurde.
Mama
arbeitete schon als ledig in einer solchen Fabrik die zur
Hauptsache Seidenbänder herstellte. Aber wehe, man hätte gesagt, sie sei
Fabrikarbeiterin. Sie erklärte und betonte dann stets, sie übe den Beruf der
Ferggerin aus. Und da sei sie quasi schon im Büro, jedenfalls werde sie von den
Arbeiterinnen, die an den Spinn- und Webstühlen stehen mussten, als etwas
„Besseres“ angesehen. Als verheiratete Frau die einen verdienenden Mann hatte und
niemanden unterstützen musste, wurde ihr dann als eine der ersten gekündigt, da
in den frühen Zwanzigerjahren die Krise in fast allen europäischen
Ländern zu Sparmassnahmen und Schliessungen zwang. Und da nahm sie mich
einmal mit in diese Fabrik, als sie ihre früheren Arbeitskolleginnen besuchte.
– Und um mich sozusagen vorzuführen. Wir gingen also zusammen dorthin, wo Mama
lange Jahre hindurch gearbeitet hatte, als Ferggerin. Dies ist ein
schweizerischer Ausdruck für Spedition, für „etwas wegbringen“.
Schon
der Gang durch den Fabrikhof erschreckte mich. Und als wir erst in das Gebäude
eintraten, mit seinen langen Gängen, und mit dem Lärm all der ratternden und
knatternden Maschinen, da wäre ich am liebsten weg von Mamas Hand und nach
Hause, zu Nonna, gerannt. Mama marschierte mit erhobenem Kopf neben all den
langen Maschinenreihen vorbei, wo es surrte, klapperte und dröhnte, und
wo die Arbeiterinnen rasch hierhin und dorthin eilen mussten, um abgerissene
Fäden wieder zu knüpfen, damit die Spule voll werden konnte. Und wehe, wenn
gerade an ein paar Orten zu gleicher Zeit die Seide riss. Denn der Meister
stand meist gerade dort, wo etwas passierte, und dann hiess es flink wie ein
Wiesel umherzuhuschen. Mama erklärte mir jedesmal, wo wir gerade waren: in der
Wicklerei, in der Spulerei, in der Weberei. Und ziemlich stolz nahm sie
die verschiedenen Grüsse, die ihr zugerufen wurden, entgegen, quasi als
Ehrenbezeugung.
Dann
langten wir in der Ferggerei an. Sofort erschallten auch da Grüsse und Ausrufe
der Freude, und ich wurde von vielen fremden Händen erfasst und landete, ohne
zu wissen wie mir geschah, in einer messingenen Waagschale. Da sass ich ganz
verdutzt und wurde gewogen und um mich herum lachten all die fremden Frauen und
ich erinnere mich noch, wie eine sagte: So ein blondes Tschingggeli
(Herabminderung für Italienerlein) habe sie noch nie gesehen und ich gleiche
also der Mama und nicht dem Papa, der sei ja schwarzhaarig. Und dann wollten
sie wissen, wie alt ich denn sei, und noch eine andere meinte, ich sei aber
dünn und viel zu leicht für mein Alter. Und ich sass da auf dem hohen Korpus
mit den vielen Schubladen mit Griffschalen, ebenfalls aus Messing, in einer
Waagschale aus Messing, und die wippte auf und ab. Und alle um mich herum
lachten und ich wollte da herunter und konnte dies nicht aus eigener Kraft. Und
all die neugiergen Augen störten mich und Mama genoss es sichtlich, dass ihr
Kind der Mittelpunkt dieses Aufruhrs war, anstatt mich da herunter zu holen.
Hier drin bedrückte mich eigentlich alles. die riesigen Korpusse, die
herumstehenden Kisten, all die grossen, schwarz eingebundenen Bücher von denen
ich mir vorstellte, das seien die Bücher in denen Petrus die Sünden der
unfolgsamen Kinder eintrage, und ich war heilfroh, als jetzt der Meister
erschien. Er begrüsste Mama freundlich, denn sie war früher eine fleissige
Kraft gewesen, aber die andern Frauen wurden merklich leiser und gingen
ziemlich schnell wieder an ihre Plätze. Und während der Meister mit Mama noch
ein paar Sätze austauschte, sah ich, was sonst mit diesen grossen Waagen
gewogen wurde: Seidenstrangen noch und noch, in allen Farben, zarte Farben,
knallige Farben, dezente Farben! Und aus den Maschinenhallen kamen immer wieder
Frauen. Sie brachten all das, was auf den verschiedenen Wickel- und Webstühlen
aus den Seidenstrangen gefertigt worden war. Und holten gleichzeitig neues
Material zum Verarbeiten. All dies wurde fein säuberlich in einem dieser
grossen, schwarz eingebundenen Register eingetragen: wieviel an wen ausgegeben
wurde, und wieviel von wem zurückgebracht wurde. Denn Ordnung musste sein, und
Computers? Damals existierte dieses Wort überhaupt noch nicht. Möglicherweise
gab es dort noch nicht einmal eine Schreibmaschine, eines dieser unförmigen
hohen Gestelle, mit eisernen Gestängen an denen die Typen angelötet waren.
Ich
war sehr zufrieden, als Mama sich vom Meister verabschiedete und allen ihren
ehemaligen Kameradinnen zum Abschied zuwinkte, denn auch sie getraute sich nun
doch nicht mehr, diese weiter von der Arbeit abzuhalten. Sie war ja froh, dass
er, wie sie mir draussen dann sagte, nicht schneller zur Wiederaufnahme der
Arbeit gemahnt hatte, denn „Meister Gyr“ , wie der Mann mit dem buschigen
Schnauzbart hiess, sei sonst immer sehr streng gewesen. Und bald hatten wir all
die bedrückenden Hallen mit den Schettfenstern oben, gegen den Himmel zu, damit
das Licht von dort einströmen konnte, hinter uns gelassen. Auch die mir
völlig unbekannte Gegend wandelte sich allmählich wieder; ich bemerkte Häuser
die ich kannte, wir überquerten eine Strasse mit Tramschienen, und Mama
erzählte mir, dass man erst seit kurzem bis zur Landesgrenze und darüber hinaus
mit dem Tram ins Elsass fahren könne.
Dann
fauchte und rauchte es rechts von uns, ich sah aber nichts, und auch hier
erklärte mir Mama, dass dies die Bahnlinie sei, die aus Frankreich bis an den
Centrabahnhof fahre. Ich sah aber nur russige Rauchwolken, denn die Bahnlinie
war tiefer als die Strasse angelegt und verschwand auch bald in einem Tunnel.
Aber ich spürte unter meinen Füssen, wie der Boden bebte, als das Ungetüm mit
seinen vielen Wagen, im dunkeln Tunnel weiterfuhr. Die Eisenbahn kam erst viel
weiter vorne wieder ans Tageslicht. Aber inzwischen waren auch wir ein Stück
weiter heimwärts gekommen, vorbei am Schulhaus, in dem Mama in die
Sekundarschule gegangen war. Nur noch ein kleines Wegstück, und wir konnte in
unsere Strasse einbiegen, wo das grosse Dopppelhaus in dem wir wohnten, stand.
Der Platz davor war voller Kinder die spielten und Rollschuh fuhren, denn dort
war bereits ein länglicher asphaltierter Streifen vor den Häusern. Und aus den
kleinen Läden kamen die Frauen, die noch eingekauft hatten, denn damals
besorgte man sich die frischen Lebensmittel erst kurz vor dem Verbrauch. Die
meisten hatten geflochtene Körbe bei sich, und viele dieser Körbe hatten
zweiteilige Deckel, die man aufklappen konnte um seine Waren zu versorgen und
die so auch vor den neugierigen Blicken der Nachbarinnen geschützt waren. Und etliche
hatten auch kleine Korbflaschen bei sich, gefüllt mit saurem Most, denn Wein
war weniger gebräuchlich und auch meist zu teuer, den konnten sich in jenen
Jahren der wirtschaftlichen Krise viele gar nicht leisten. Fröhlichkeit
herrschte aber trotzdem fast überall, die Menschen liessen den Kopf nicht
hängen, gönnten sich dann und wann das neue Spektakel, das gerade erst so
richtig aufgekommen war: das Kino. Und auf den Strasse sangen die Buben
lauthals die sogenannten Gassenhauer, wie man den damaligen Schlagern sagte,
und wenn ein schönes Mädchen vorbei kam, dann tönte es im Chor: Oh Donna Clara,
ich hab dich tanzen gesehen.... oder: Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine
hätt......!
Es
ging gegen den Abend zu und wir wussten, dass Papa auch bald kommen würde, und
dass Nonna bereits etwas Gutes für uns alle auf dem Herd stehen hatte. Ich war
wieder fröhlich und zufrieden. ..... Und die Sonne schien....!
Erica Zet
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